Energiewende fordert Eingriffe

Natascha Kohnen vertritt engagiert und lebhaft ihre Positionen. Bilder: eld
Lokales
Schwandorf
31.07.2015
34
0
 
Mitglieder von Bund Naturschutz, einem Solarförderverein und Initiativen gegen die Trassen sind mit Kohnens Positionen nicht immer einverstanden und sagen dies auch deutlich.

Natascha Kohnen will die Energiewende aus erneuerbaren Energien. Neue Gaskraftwerke gehören nach Ansicht der SPD-Generalsekretärin nicht dazu. Für die Energiewende ist sie bereit, "die Natur anzufassen." Nicht nur damit eckt sie bei einigen Zuhörern im Schwandorfer Schützenheim an.

Die studierte Biologin tritt für eine Energieproduktion ein, ohne die Umwelt zu belasten. Damit der Kreislauf stimme, müsse Strom zu Hundert Prozent aus erneuerbaren Energien kommen. Auf Einladung des Schwandorfer SPD-Ortsvereins schildert sie den Weg hin zum Atomausstieg nach Fukushima.

Die Energiewende bis 2021 hin zubekommen hält die energiepolitische Sprecherin der Bayern SPD für "echt ambitioniert", vor allem schon deshalb, weil in Bayern politisch Windstille herrscht. Natürlich hofft sie, dass die Popularklage die 10-H-Regelung für Windräder kippt. Im ersten Halbjahr 2015 wurden Kohnen zufolge in Bayern nur neun Windräder beantragt, 2014 waren es 154.

Gegen Strompreiszonen

In schöner Regelmäßigkeit poche sie als Landtagsabgeordnete auf Energienutzungspläne für ganz Bayern, für jede Kommune, "damit wir wissen, wie viel wir haben". Kohnen ist keine erklärte Trassengegnerin, denn der Norden produziere nun einmal zu viel Strom, den der Süden brauchen könne und der abgeleitet werde. Sie erwartet durchaus harte Debatten mit den Netzbetreibern, wie sie die Trassen bauen können. Eines möchte sie nicht: Strompreiszonen wie in Schweden etwa. Zur Energiewende sieht sie keine Alternative. "Wir fassen die Landschaft an." Damit legt sie ein klares Bekenntnis zur Sichtbarkeit von Energieerzeugung ab, "aber die muss passen". "Irgendetwas müssen wir jetzt tun", sagt sie angesichts dessen, dass eine Energieversorgung allein aus Biomasse nicht funktioniere und die Windkraft geplättet sei. "Wenn wir zu allem Nein sagen, müssen wir Ja zur Atomkraft sagen."

Engagierte Debatte

Sonja Schuhmacher von Bund Naturschutz Weiden goutiert manche Aussagen der 47-Jährigen Landespolitikerin mit Kopfschütteln. Sie will nicht glauben, dass die Stromtrassen nur der Energiewende dienen. Braunkohlestrom aus der Lausitz könnte genauso gut eingespeist werden. Außerdem sei der Strom von Windrädern an Land, gefördert mit 9 Cent, der billigste Strom.

Die Diskussion um die richtige Energiewende wird mit viel Engagement und emotionsbeladen geführt. Genauso überzeugt wie Kohnen verteidigen BN-Vertreterinnen, Trassengegnerinnen und auch Birgit Lukau aus Treuchtlingen, Mitglied im Solarförderverein, ihre Positionen.



Die Trassengegnerin befürchtet, dass durch die Überlandleitungen aus dem Norden die dezentrale Versorgung kaputt gemacht werde. Die gesetzlichen Bedingungen für Bürgergenossenschaften hätten sich verschlechtert. Das wertet sie als Indiz für ihre These. Sie sei beileibe nicht gegen Windkraft und für Atomstrom. Windkraftgegner bezeichnete sie als "militant".

Trassen verzichtbar?

Lukau hat den Eindruck, dass die Photovoltaik behindert werde, wo es nur gehe. Stromtrassen von Nord nach Süd wären verzichtbar, sind die Frauen überzeugt. Kohnen ist jedoch sicher: "Wir werden wohl nicht ohne Leitungen auskommen. Je mehr aber vor Ort selbst erzeugt wird, desto weniger Leitungen brauchen wir." Im Moment gehe es aber eher in die Gegenrichtung , meint sie mit Blick auf die Energiepolitik der Staatsregierung.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.