Erbe mit Luft nach oben

Baron Hubertus von Breidbach-Bürresheim braucht seine Wohnung nicht auszuräumen, wenn er zum Fest lädt. Die Tafel ist groß genug und das Esszimmer auch.
Lokales
Schwandorf
14.03.2015
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Die Schlossgespenster lassen sich nicht sehen, aber die Ahnen beäugen ständig das Tun der Bewohner und der Blick übers Naabtal ist erhaben. Er war es schon vor 500 Jahren.

Pfalzgraf Ottheinrich hat vielleicht schon aus diesem Fenster geschaut. "Wenn Ottheinrich wirklich auf der Durchreise in Schwandorf übernachtet hat, dann hier in diesem Zimmer", sagt Schlossherr Hubertus von Breidbach-Bürresheim. Es ist wohl der repräsentativste Raum in diesem Adelssitz, doch der Baron bewohnt mit seiner Familie den Großen Salon nicht, nutzt ihn maximal als Gästezimmer. Zum Übernachten ist alles da, einschließlich dem Botschamperl im Nachtkastl. Das kann für die weiten Wege, die im Schloss zurückzulegen sind, auch jetzt noch durchaus von Nutzen sein.

Im zweiten Stock, in seiner Wohnung, zeigt von Breidbach, dass sich in einem Denkmal zeitgemäß wohnen lässt. Die Küche ist modern und hell. Hier wurde der Boden erneuert und eine Stufe höhergelegt, darunter fanden die Versorgungsleitungen Platz. "Luft nach oben haben wir ja bei einer Raumhöhe von 4,50 Metern", erzählt er augenzwinkernd. Zimmer bewohnt die vierköpfige Familie nicht mehr als jede andere, nur das Esszimmer ist halt 80 Quadratmeter groß und das Wohnzimmer 100. Die gesamte Schlossanlage hat in etwa die Größe von 40 Einfamilienhäusern. "Und sie zu erhalten ist auch 40 Mal so viel Arbeit", ergänzt der 54-Jährige. Ein Modell zeigt das ganze Ausmaß.

Vier Generationen wohnen im Schloss. Hubertus von Breidbach hat peu à peu "die Familie um sich gesammelt. Alles ist bewohnt." Die Orangerie im zwölf Hektar großen Schlosspark überlässt er per Erbpacht einem Cousin, der sie restauriert. Das ist Breidbachs Variante die Schlossanlage zu erhalten. "Als ich Schloss Fronberg mit 25 übernommen habe, war es eine Ruine. Es hat rein geregnet." Ideen gab es viele, doch keine, um das Schloss wirklich wirtschaftlich zu führen. Der Außendienstmitarbeiter eines Pharma-Großhandels in Pfreimd hat sein Erbe inzwischen lieb gewonnen, sich in die Geschichte derer von Breidbach-Bürresheim und des Schlosses vertieft. Reichskanzler Emmerich Joseph, Kurfürst von Mainz, zählt dazu, Max von Holnstein, Caroline von Spiering und und und. Er deutet auf ein Jagdgemälde. "Das ist nicht wertvoll, aber Jagden wurden früher abgehalten wenn es etwas zu besprechen gab, wie G7-Gipfel." Wer dabei war, wurde auf dem Gemälde verewigt, von Breidbachs Urgroßvater mit Friedrich, dem Herzog von Nassau, zum Beispiel.

Mächtige Geweihe

Das großzügige Treppenhaus zieren mächtige Geweihe aus mehreren Jahrhunderten. Das Verbindende ist ein roter Teppich. Ein paar Hundert Meter kommen da zusammen, allein ein Gang ist 70 Meter lang. "Das muss alles bezahlbar sein." So wurden eben auch nicht alle 130 Fenster aus den 60er Jahren ausgetauscht. Nur, wo geheizt wird, gab es neue. Für Wärme sorgt eine Zentralheizung. Kein Diener betritt die Räume, um im Kamin nachzulegen, obwohl der Besucher damit rechnet, ja fast darauf wartet. Die Kamine sind im wahrsten Sinne des Wortes nur noch Schmuckstücke.

Für Utopie gehalten

Aus Hubertus von Breidbach spricht Begeisterung für das Schloss und dessen wechselvolle Vergangenheit. "Wenn mir mit 20 jemand gesagt hätte, dass ich hier alt werde, hätte ich das für eine Utopie gehalten." Dann fiel ihm das Erbe zu - seine drei Geschwister machten es ihm nicht streitig. Inzwischen schätzt der Baron die Vorteile - "man hat viel Platz" - und weiß zu gut um die Nachteile: "Als Schlossherr regnet es nicht das Geld zur Haustür rein, wie ein Vorurteil lautet, sondern es schwimmt eher hinaus." Anpacken am Schloss will er erst wieder, "wenn die Kinder da bleiben", da, wo jeder Zentimeter Geschichte atmet. Das kann gut sein. "Ich habe nicht gedacht, dass es etwas Besonderes ist, aber ich war einige Zeit im Internat und weiß jetzt, wie schön es daheim ist", sagt die 18-jährige Charlotte. "Wir Kinder haben uns im Schlossgraben unseren eigenen Hochseilgarten gebaut." Mit "wir" meint sie ihren 20-jährigen Bruder. Das Schloss ist ihr Zuhause, samt der Hausgeister, vor denen sich so mancher fürchtet - ihre Tante etwa. Sie hat "hier noch nie übernachtet". (Hintergrund)
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