Erdgas aus Solarstrom

Lokales
Schwandorf
18.12.2014
1
0

Wenn es um Energiegewinnung geht, ist die Verbandskläranlage immer für Innovationen zu haben. Die Herstellung von Methan aus Faulgas ist ein Projekt, das die Forscher der Viessmann-Tochter MicrobEnergy hier umsetzen. Die Strategie dahinter: Überschüssigen Strom als Erdgas speichern.

Wenn der Wind kräftig bläst und die Sonne scheint, ächzen die Stromnetze unter zu viel Energie. Windräder oder Kraftwerke müssen abgeschaltet werden. Nachts oder bei wenig Wind würde Energie gebraucht. Stromspeicher sind aber teuer und kaum vorhanden. Das Erdgasnetz dagegen hat riesige Speichervolumen. Das Verfahren, an dem MicrobEnergy arbeitet, stellte Projektleiter Thomas Heller am Mittwoch Verbandsvorsitzendem Oberbürgermeister Andreas Feller (Schwandorf) und Bürgermeister Thomas Falter (Wackersdorf) vor.

Der Prozess: Mit dem überflüssigen Strom wird über Elektrolyse Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Der Wasserstoff wird entweder in einen Faulturm oder einen externen Reaktor geleitet. Im Klärschlamm sorgen spezielle Mikroorganismen dafür, dass aus dem Wasserstoff und dem im Faulgas vorhandenen Kohlendioxid Methan entsteht. Erdgas besteht auch in erster Linie aus Methan. Das in der Kläranlage erzeugte Gas könnte also in das Erdgasnetz eingespeist und dort gespeichert werden. Wenn Energie gebraucht wird, können Blockheiz- oder Gaskraftwerke aus dem Gas wieder Strom und/oder Wärme erzeugen, auch Fahrzeuge damit betrieben werden. Der momentan an der Kläranlage laufende Reaktor wird bald an den Viessmann-Standort Allersberg verfrachtet. Dort soll eine größere Anlage aus den Erkenntnissen entwickelt werden.

Zugeschnittenes Konzept

Die aufwendige Technik kostet Geld, in der Rentabilitätsberechnung spielen natürlich auch die Kosten für den "überflüssigen" Strom und die Erträge für eingespeistes Gas eine Rolle. Derzeit müsste beispielsweise für den entnommenen Strom noch EEG-Umlage bezahlt werde. "Da ist noch die Politik gefragt", sagte Heller, gab sich aber optimistisch. Schließlich sei Power-to-Gas ein wichtiger Lösungsansatz für ein Hauptproblem der Energiewende: Die Speicherung von überschüssiger elektrischer Energie. Den Verantwortlichen der Verbandskläranlage Schwandorf-Wackersdorf sagte er ein großes Dankeschön für die Aufgeschlossenheit: "Sie sind da weit vorn dabei".

Für die Beteiligten heißt es jetzt rechnen und ein auf die Kläranlage zugeschnittenes Konzept zu entwickeln. Neben MicrobEnergy und dem Kläranlagen-Team um Geschäftsleiterin Marion Steffl und Betriebsleiter Robert Merkl sind Wissenschaftler der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg eingebunden. Feller und Falter zeigten sich beeindruckt von der Forschungsarbeit und sagten weitere Unterstützung zu.
Weitere Beiträge zu den Themen: 12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.