Erst Wandel sichert den Erfolg

Das sprichwörtliche heiße Eisen glüht in einem der Schmelzöfen der Fronberg Guss. Seit zehn Jahren gehört das Unternehmen zur Gienanth GmbH (Eisenberg) und hat seitdem trotz aller konjunkturellen Schwankungen eine Erfolgsgeschichte hingelegt. Rund 200 Beschäftigte führen im "Eisenwerk", wie die Gießerei im Volksmund heißt, eine Tradition fort, die in Fronberg schon über 560 Jahre währt. Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
01.04.2015
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Mangelnde Innovation hat der Oberpfalz einst ihre Stellung als "Ruhrgebiet des Mittelalters" gekostet. "Fronberg Guss" geht genau den anderen Weg und hat heute weltweit einen guten Ruf. Seit zehn Jahren gehört das Unternehmen zur Gienanth-Gruppe. Ein Grund zu feiern.

"Zehn Jahre, das wäre ein Kindergeburtstag", sagte Oberbürgermeister Andreas Feller. Wäre da nicht die uralte Tradition, auf die der OB am Donnerstag verwies: Seit Mitte des 15. Jahrhunderts ist in Fronberg ein Hammer nachgewiesen. Die Geschichte griff beim Festakt im Oberpfälzer Künstlerhaus auch stellvertretender Landrat Jakob Scharf auf, der "Fronberg Guss" als Beispiel für Tradition, aber auch für Innovations- und Wandlungsfähigkeit herausstellte. Er hob die positive Entwicklung hervor, die das "Eisenwerk" seit der Übernahme durch die Gienanth-Gruppe (Eisenberg/Rheinland-Pfalz) genommen habe.

Das ist zehn Jahre her. Die Gießerei stand damals am Abgrund, in Insolvenz. Nach der Übernahme ging's schrittweise bergauf, auch weil sich die Gießerei eine Nische suchte, in der sie mittlerweile zu den Top-Adressen weltweit gehört: Den Guss von hochkomplexen Motorblöcken für Schiffe, Lokomotiven oder auch für Gasmotoren zur Energieerzeugung. Das Unternehmen zähle zu den vielen Mittelständlern, die sich von der Oberpfalz aus als "Hidden Champions" im Weltmarkt behaupten, sagte Geschäftsführer Florian Knippscheer. "Darauf sind wir auch ein wenig stolz." Seit 2005 wird investiert, neue Hallen entstanden, auch die neue Brücke zum Werk, das auf einer Insel in der Naab steht. 2013 wurde eine hochmoderne "Kernschießmaschine" in Betrieb genommen, die das Gießen besonderer Motorblöcke erlaubt. "Das ist europaweit ein ganz seltenes Stück", sagte Knippscheer vor rund 60 Gästen aus Politik und Wirtschaft. Den Mitarbeitern und dem Betriebsrat zollte er großes Lob für die Zusammenarbeit, sein Dank galt auch der Stadt.

"Die Oberpfalz war alles andere als ,hidden', sie war der Champion", sagte Dr. Peter Wolf in seiner Festansprache. Der stellvertretende Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte blätterte auf, welche Bedeutung die heutige Oberpfalz im Mittelalter hatte: Ohne das Erz aus dem Amberg-Sulzbacher Revier und die Eisenhämmer in der ganzen Region wäre Herzog Ludwig IV. nie König, geschweige denn Kaiser geworden, stellte der Historiker fest. In einem Kartell vereinigt, sorgten die Hämmer für Wohlstand und Absatz, über die Donau nach ganz Europa.

Das Kartell setzte auf Bleche - und wagte nicht den Schritt hin zur modernen Gussproduktion mit Hochofentechnik, wie sie vor dem 30-jährigen Krieg langsam aufkam. Für das Hammergewerbe bedeutete das das Ende. Erst die Bereitschaft zum Wandel sichere Wohlstand - diese Lehre könne man aus der Geschichte ziehen, sagte Wolf. Für die Musik beim Festakt sorgte das "Oberpfalz Quintett" um Bernhard Schuierer.
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