Erstes Gedenken nach langer Zeit

Am Bahngleis in der Kuntau im Stadtsüden steht heute ein einfaches Holzkreuz, das auf den Tod von 70 Menschen im April 1945 hinweist. An dieser Stelle fand nun eine Gedenkveranstaltung der Schwandorfer SPD statt. Bild: Dobler
Lokales
Schwandorf
21.04.2015
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An die frühere Gedenkstätte in der Waldflur Kuntau erinnerten nur noch Reste einer Grabeinfriedung. Daher hat sich Wolfgang Hirche voriges Jahr zu einer bemerkenswerten Tat entschlossen. So galt auch ihm die Erinnerung bei der gut besuchten Veranstaltung am Ort des Dramas vom April 1945.

Der SPD-Stadtverband hatte zur "Spurensuche" in die Kuntau am südlichen Ortsrand von Schwandorf geladen und sehr viele Interessierte nahmen teil. "Ich bin überrascht von der Resonanz", gestand Stadtverbandsvorsitzender Andreas Weinmann, der mit zehn Besuchern gerechnet hatte, aber um die 60 kamen tatsächlich. Weinmann gestaltete die Zusammenkunft am Bahngleis unweit des Klausensees zusammen mit dem historisch interessierten Oberfeldwebel Michael Fleischmann aus Klardorf, der die blutigen Vorgänge am 20. April 1945 akribisch recherchiert hat und davon berichtete. Historisch eingeordnet und politisch kommentiert wurde die Zeit des Kriegsendes, um die es ging, von Landtagsabgeordnetem Franz Schindler.

Im Mittelpunkt des Gedenkens stand das Schicksal von KZ-Häftlingen, die damals in einem Güterzug Richtung Süden transportiert wurden. Der Zug kam wegen der Kriegswirren am 20. April 1945 in der Kuntau zum Stehen und wurde von einem Tiefflieger angegriffen. In dem folgenden Durcheinander kamen 70 der Häftlinge ums Leben. "Dieses Ereignis wurde leider nie in angemessener Weise gewürdigt und geriet nach dem Krieg schnell in Vergessenheit", bedauerte Andreas Weinmann. Er wies darauf hin, dass die Getöteten zunächst in Sammelgräbern beerdigt, aber in den späten 1950er Jahren wieder exhumiert und auf dem KZ-Ehrenfriedhof in Flossenbürg beigesetzt wurden.

Mehrere Gedenksteine machten in der Kuntau auf das Geschehen aufmerksam, aber sie verschwanden im Laufe der Zeit. Im vergangenen Jahr hat sich dann der Schwandorfer Lehrer Wolfgang Hirche von sich aus daran gemacht, ein Holzkreuz an der Stelle des Massensterbens zu errichten. "Nicht zuletzt dadurch wurde mir die Sache in Erinnerung gerufen", sagte Andreas Weinmann. Nachdem das erste Gedenkkreuz nach acht Wochen entwendet wurde, stellte Hirche kurz vor seinem eigenen Tod ein zweites Gedenkkreuz auf. An ihm legten die Besucher der SPD-Veranstaltung Blumen nieder.

Zu Wort kamen bei der Zusammenkunft neben Altlandrat Hans Schuierer auch einige Anwohner, die die frühere Gedenkstätte im Auftrag der Gemeinde Dachelhofen gepflegt hatten.
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