Flüchtlinge beruflich auffangen

Lokales
Schwandorf
09.05.2015
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Junge Asylbewerber und Flüchtlinge brauchen Aufgaben und Perspektiven. Die Handwerkskammer schiebt hier durchaus an.

In Kooperation mit der Regierung der Oberpfalz lud die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz Vertreter der Bezirksregierung, Berufsschulen und deren Kooperationspartner zu einem Netzwerktreffen ins Bildungszentrum der Handwerkskammer nach Charlottenhof ein. Der Grund: die berufliche Integration von jungen Asylbewerbern und unbegleiteten Flüchtlingen.

Albert Vetterl, Vizepräsident der Handwerkskammer, brachte einer Pressemitteilung zufolge die Haltung der Wirtschaft auf den Punkt: "Der Spruch aus der Imagekampagne des Deutschen Handwerks - bei uns kommt es nicht drauf an, wo jemand herkommt, sondern wo jemand hin will - wird von unseren Mitgliedsbetrieben gelebt." Dies zeige das Ergebnis einer Akquiseaktion der Handwerkskammer, bei der über 850 Praktikumsangebote in Ostbayern, speziell für junge Asylbewerber, generiert wurden. Die berufliche Integration sei zwar eine schwierige Aufgabe, aber allein die Aussicht, möglichst vielen dieser motivierten jungen Menschen in einigen Jahren einen Gesellenbrief zu überreichen, sollte Motivation genug sein, sich auf den Weg zu machen, so Vetterl.

Walter Schütz, Leitender Regierungsschuldirektor, stellte das System der zweijährigen Berufsschulklassen vor. Während im ersten Schuljahr das Erlernen der deutschen Sprache im Vordergrund stehe, gehe es im zweiten um die Vertiefung der Sprachkenntnisse, aber auch um berufliche Orientierung. "Ziel ist es, die jungen Asylbewerber und unbegleiteten Minderjährigen möglichst gut auf eine Ausbildung vorzubereiten", fasste er die Beweggründe für diese Form der Beschulung zusammen.

Die jungen Ausländer seien sehr motiviert, hätten aber auch mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen, die eine enge sozialpädagogische Begleitung erfordern, wie Anna Hanf, Sozialpädagogin beim Kolping-Bildungswerk in Schwandorf, darstellte. Sie erläuterte, welchen Herausforderungen sich die Schüler stellen müssen. Eine wesentliche Aufgabe der Kooperationspartner sei unter anderem die Vermittlung der Schüler in betriebliche Praktika.

Soziales Engagement

Abteilungsleiter Karl Heinz Friedrich und Ausbildungsberater Michael Knauer von der Handwerkskammer berichteten über die bisherigen persönlichen Erfahrungen aus Projekten und zeigten die aktuellen Aktivitäten auf. "Unsere Handwerksbetriebe wurden für dieses sehr komplexe Thema in den letzten Monaten und Wochen immer wieder sensibilisiert. Aufgrund eines von unserem Präsidium initiierten Aufrufs, Praktikums- und Ausbildungsplätze bereitzustellen, haben sich etliche Betriebe bereiterklärt, sich dahingehend sozial zu engagieren", so Friedrich.

Zudem habe sich die Handwerkskammer entschieden, ab sofort eine Beraterin für die passgenaue Besetzung von Ausbildungsplätzen einzustellen. "Mit dieser Stelle in Schwandorf bieten wir interessierten Handwerksbetrieben eine wertvolle Hilfestellung im Rahmen ihres betrieblichen Personalmanagements an."

Rechtssicherheit

In der abschließenden Diskussion waren sich alle Teilnehmer einig, dass die gemeinsamen Bemühungen den Start in eine Berufsausbildung zum Ziel haben. "Unsere Betriebe brauchen dringend Planungssicherheit und fordern deshalb Rechtssicherheit in Form einer langfristigen Bleibeperspektive", betonte Kurt Negele, Bereichsleiter bei der Handwerkskammer. Integration sei bekanntlich kein Selbstläufer.
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