Freunde, nicht bloß Partner

Erwin Rippl zeigt die Schätze aus dem Egerland. Die wertvollen Trachten sind unter Glasverschluss. Bild: Held
Lokales
Schwandorf
12.09.2015
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Nur bei offiziellen Anlässen braucht es einen Dolmetscher, auf geselliger Ebene funktioniert's auch ohne. Vor allem zwischen Sportlern aus Schwandorf und Sokolov haben sich richtige Freundschaften entwickelt.

Ernst Schober, Vorsitzender des zwölfköpfigen Partnerschaftskomitees, verfolgt den Grundsatz: "Die obere Schiene muss funktionieren." Er meint damit, zwischen den Stadtoberhäuptern von Schwandorf und Sokolov (Falkenau) muss die Chemie stimmen. Die stimmte bisher seiner Meinung nach gut und das halte eine Partnerschaft am Leben. Sichtbares Zeichen sei, wenn sich "die beiden duzen".

Zwischen Schwandorf und der böhmischen Stadt gibt es mehrere Berührungspunkte. Das ist zum einen der Braunkohlebergbau in beiden Regionen. Im Raum Schwandorf ist daraus das Seenland entstanden und bei Sokolov füllt sich der erste Tagebausee. "Eine Delegation will sich bald im Landkreis Rat zur Rekultivierung holen", sagt Schober bei einem Gespräch im Rathaus, im Büro von Sabine Brunner, der städtischen Beauftragten für die Partnerschaft.

Eine zweite Verbindungslinie über Grenzen hinweg: Schwandorf und Sokolov wurden beide am 17. April 1945 bombardiert. Und die dritte: Viele Falkenauer fanden nach dem Krieg in Schwandorf eine neue Heimat. Die Bundestreffen der Falkenauer finden in Schwandorf statt, das nächste am 26. und 27. September in der Oberpfalzhalle. Auch sie bringen sich in die Partnerschaft ein, in der das Komitee als eine Art Dach funktioniert und als Motor. "Wir begleiten das erste Zusammentreffen, den ersten Wettkampf, dann soll's ohne uns funktionieren. Erst wenn's nachlässt, klinken wir uns wieder ein."

Käme Schober auf die Idee, alles aufzuzählen, was zwischen Schwandorf und Sokolov läuft, wäre das ermüdend. Da sind die Schwimmfeste hüben und drüben, die Schießwettkämpfe, Fußballspiele Kulturveranstaltungen. Besuche von Pfarreien, Schulen und und und.

Es sind nur 153 Kilometer, bis zum Fall des Eisernen Vorhangs schwer zu überwinden und jetzt eine Kleinigkeit. Trotz des Gefühls, die Partnerschaft gebe es schon immer, ist sie noch nicht erwachsen. Am 17. April 2000 wurde die Urkunde unterzeichnet. Obwohl Schober die guten Beziehungen auf Rathaus-Ebene für unabdingbar hält, freut es ihn, dass die Bewohner aufeinander zugehen. Wenn Bürger ihre Partnerstadt besuchen, "sind die Busse immer schnell voll". Fahrten von deutschen und tschechischen Schülern nach Berlin und Prag schaffen ebenso bleibende Verbindungen. Die Gräben, die Nazi-Regime, Krieg und Vertreibung aufgetan haben, sind zugeschüttet. Ernst Schober fährt zum Beispiel auch regelmäßig den aus Falkenau stammenden Erwin Rippl zu Monatstreffen rüber. (Hintergrund)
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