Fürsprecherin für altes Gemüse

Bei derart vielen Marmeldensorten fällt es schwer, eine Auswahl zu treffen. Bilder: Götz (3)
Lokales
Schwandorf
02.05.2015
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Den Wintergarten halten vor allem Tomaten und Paprika noch besetzt, auch an Fensterbrettern wachsen Gemüsepflanzen. Rund 1000 kommen zusammen. Annegret Hottner hat sich der Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt verschrieben. Aber das ist nicht ihre einzige Passion.

Die Saatgutspezialistin stellt die ungewöhnlichsten Marmeladen her. Doch dazu später, denn im Frühjahr widmet sie ihre Arbeit hauptsächlich Setzlingen und Samen. Einiges ist bereits verkauft. Auch auf dem Frühjahrsmarkt an diesem Sonntag im Bauernmuseum Perschen ist sie vertreten. Das Arche Noah-Mitglied garantiert Sortenreinheit und geschmackvolle Gemüseraritäten. Am Saatgut wurde weder manipuliert noch experimentiert noch wurde es gentechnisch verändert.

Geschmackvoll

Manche überrascht es, dass Hottnersche Tomaten nach Tomaten schmecken, Bohnen tatsächlich nach Bohnen und anders als Erbsen. Annegret Hottner überrascht es nicht: "Das Züchten von gezielten Eigenschaften geht zulasten anderer Eigenschaften. Als Erstes verschwindet der Geschmack." F1-Hybriden - diese Samen gibt es der Schwandorferin zufolge am häufigsten zu kaufen - werden bestimmte Eigenschaften "anerzogen", zum Beispiel lange Lagerfähigkeit, leichte Ernte oder feste Haut. "Dann wird solange gekreuzt bis die Tomaten platzfest sind. Das dauert rund zehn Jahre." Ob Sie dann noch schmecken? Die 62-Jährige bezweifelt es. Wer von diesen Pflanzen Samen abnimmt, wird im Jahr darauf meist bitter enttäuscht sein. Es geht nichts auf. Hybriden sind steril. Werden sie von Pilzen oder anderen Schädlingen befallen, ist es aus. Gäbe es nicht die Erhalter von Arche Noah und deren unverfälschte Sorten. "Ich finde, dass sie robuster sind und nicht so krankheitsanfällig. Der Forellensalat kann schon im März oder April ins Freiland. Nachtfrost stört ihn nicht."

Ihre gärtnerischen Misserfolge - "Ich war schon immer ein Wühler" - führten sie 2004 zu Arche Noah. "Mit Tomaten hatte ich immer Pech. Sie bekamen die Fäule, sind zusammengebrochen." Erst mit alten Sorten ging der grüne Daumen auch bei dieser Pflanze für die gelernte Großhandelskauffrau mit dem zeitaufwendigen Hobby nach oben. Auf 48 Beeten pflanzt sie fast alles, was die Gemüsepalette hergibt. Einiges ist ein Muss, denn als Erhalterin und Patin ist sie zum Anbau verpflichtet.

Neue Herausforderung

Sie zeigt auf das Weißkraut, das als solches nicht gleich zu erkennen ist und eher so aussieht, als sollte es auf den Kompost geworfen werden. Aber Kraut bildet erst im zweiten Jahr Samen, weshalb Annegret Hottner 15 Köpfe frostfrei überwintert und nun wieder an die frische Luft gesetzt hat. Mit diesem Versuch sucht sie eine neue Herausforderung. Fährt sie zum Markt, packt sie fast alle Jungpflanzen ein, bis auf zwei von jeder Sorte zur Vermehrung. Und für alle, die sie nicht verkauft, findet sich im Garten irgendwo ein Plätzchen. "Ich habe Skrupel, Pflanzen wegzuschmeißen."

Sie kann ja auch aus beinahe allem Marmelade kochen. Aus den Früchten von der Streuobstwiese sowieso, aber auch aus Mispeln, Quitten oder Vogelbeeren. Und für ein Gänseblümchen, Löwenzahn- oder Veilchengelee reicht schon eine Blumenwiese. (Hintergrund)
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