Geburtstagsfeier am Steinberger See läuft völlig aus dem Ruder
Baden, Bier und harte Hiebe

Lokales
Schwandorf
24.04.2015
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Wer schlug wen? Um zu klären, was bei einer sommerlichen Geburtstagsfeier am Steinberger See geschah, ist der Richterin Petra Froschauer kein Aufwand zu groß. Im Mai wird es deshalb einen vierten Prozesstag geben.

Das Fest mit Gästen aus dem ganzen Landkreis wurde von einem Mann veranstaltet, den seine Freunde "King" nannten. Zunächst war alles, wie jetzt einer der Zeugen sagte, "super gut". Baden, Bier, fast wie am Ballermann. Doch dann schlug die Stimmung um: Plötzlich stand ein junger Mann mit gebrochenem Kiefer und ausgeschlagenen Zähnen da.

Wuchtiger Kopfstoß

Er griff zum Handy, rief zwei Kumpel an und sorgte so dafür, dass die beiden 34 und 31 Jahre alten Männer quasi als Rollkommando auftauchten. Der Ältere von beiden schnappte sich beim Anmarsch noch einen armstarken Knüppel, dann erschienen sie auf dem Festplatz. Was anschließend geschah, schilderte nun am dritten Verhandlungstag eine junge Frau, die sich im Gegensatz zu allen anderen bisher vernommenen Partyteilnehmern sehr genau erinnern konnte.

"Der hat laut herumgebrüllt", beschrieb die 23-Jährige den Auftritt des 34-Jährigen. Er wollte wissen, wer den jungen Mann geschlagen hat, berichtete sie weiter und erinnerte sich an einen wuchtigen Kopfstoß, den der Gastgeber bei seiner "höflich formulierten Bitte, doch zu gehen" mitten auf die Nase erhalten habe. Und weiter? Nach Angaben der Beobachterin ("Ich hatte nichts getrunken") mussten sich mehrere Teilnehmer des Festes auf eine Bank setzen, bekamen Knüppelschläge an die Brust und kippten zu Boden. "Und die anderen?", wollte Richterin Petra Froschauer wissen: "Die sind in den Wald geflüchtet", hieß es.

Übel zugerichtet

Die ganze, fast schon inquisitionsartige Befragung durch den 34-Jährigen habe rund eine Stunde gedauert. "Plötzlich hat sich jemand gegen ihn gewehrt", wusste die 23-Jährige. Daraufhin wendete sich das Blatt im wahrsten Sinn des Wortes schlagartig. Die beiden "Jäger", die nach Angaben der Zeugin gemeinsam Schläge austeilten, wurden zu Gejagten.

Sie flüchteten zu einem am Seerand befindlichen Parkplatz und wurden dort "von etwa zehn Leuten, die sie verfolgten" körperlich übel misshandelt. Der 34-Jährige kam mit Prellungen davon, sein 31 Jahre alter Begleiter erlitt schwerste Kopfverletzungen. Wer das war, konnte die junge Frau aber nicht sagen, denn: "Ich saß in meinem Auto und wollte nur noch fort." Unterdessen sind über zwei Dutzend Partygäste vernommen worden. Bei ihren Anhörungen stieß die Richterin auf weitere Namen. Dabei handelte es sich um junge Männer, die seinerzeit einen Freigang aus der Drogenklinik Parsberg hatten.

Sie müssen nun am vierten Prozesstag kommen. Womöglich haben auch sie große Erinnerungslücken. Solche angeblichen "Filmrisse" sind bei vielen vorhanden, die sich bisher Fragen stellen lassen mussten. Die beiden Angeklagten behaupten weiterhin, bei ihrem ungebetenen Besuch am Steinberger See so gut wie nichts getan zu haben.
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