Gedenken an rassistisch motivierten Brandanschlag auf "Habermeier-Haus" 1988
Zeichen der Hoffnung

Vorurteile, Missverständnisse: Die Schülerinnen der Mädchenrealschule tragen die Geschichte "Auf den zweite Blick" vor.
Lokales
Schwandorf
18.12.2014
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Jahrelang hat sich die "offizielle" Stadt schwer getan mit dem Gedenken an die vier Opfer des rassistisch motivierten Brandanschlags auf das ehemalige "Habermeier-Haus" am 17. Dezember 1988. Die Gedenkfeier am Mittwoch setzte ein ganz anderes, optimistisches Zeichen.

Die jungen Schülerinnen der Mädchenrealschule St. Josef brachten in der Spitalkirche gleichsam spielerisch zum Ausdruck, dass die Stadt bunt und tolerant ist. Den Mädchen gelang mit der ebenso nachdenklich machenden wie heitere Geschichte "Auf den zweiten Blick" und der Choreographie "Together we are one" (Zusammen sind wir eins) das zu verbreiten, was in der Erinnerung an eine der dunkelsten Stunde der Stadt notwendig ist: Hoffnung.

Courage zeigen

Hoffnung darauf, dass in Erfüllung geht, was Oberbürgermeister Andreas Feller in seiner Gedenkrede formulierte: "Zeigen wir Zivilcourage und schützen wir unsere Mitmenschen vor Anfeindung und Bedrohung, sei es zu Hause, in der Schule, in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz". Er forderte, Kinder und jugendliche vor den "menschenverachtenden Parolen rechtsextremistischer Gruppen zu schützen" und vorzuleben, "wie wichtig es ist, jederzeit und überall für die Würde jedes einzelnen Menschen einzutreten."

Die Familie Fatma, Osman und Mehmet Can sowie Jürgen Hübener kamen in dem Feuer um, das ein damals 19-jähriger Neonazi gelegt hatte. Der türkische Generalkonsul Asip Kaya erinnerte in der überfüllten Spitalkirche vor vielen Angehörigen der Opfer daran, dass zahlreiche türkische Mitbürger Deutschland schon lange als ihre zweite Heimat sehen und hier in Frieden leben wollen. Leider sei der rassistische Anschlag von Schwandorf kein Einzelfall geblieben. Die Mordserie der NSU sei nur das schlimmste Beispiel. Rassistische und fremdenfeindliche Parolen wie die der "Pegida" würden von Migranten mit Besorgnis registriert. Den Stadtratsbeschluss, jedes Jahr offiziell des Anschlags zu gedenken, wertete der Konsul als "Vorbild an Verantwortung und gesundem Menschenverstand".

Der "gesunde Menschenverstand" hätte vielleicht auch "Heinz" geholfen, von dem die Geschichte der Schülerinnen handelte. Er sieht sich im Restaurant um seine Suppe betrogen, ausgerechnet von einem Migranten. Am Ende könnte in der Geschichte aus der zunächst von Vorurteilen geprägten Zufallsbegegnung sogar eine Freundschaft erwachsen.

Zum Schlesierplatz

Gemeinsam sprachen Dekan Hans Amann und Pfarrer Arne Langbein mit dem Imam der türkisch-islamischen Kulturgemeinde Hakif Sekmen ein Friedensgebet. Angehörige und Gäste machten sich nach der Gedenkstunde in der Spitalkirche auf den Weg zum Schlesierplatz, wo Leyla Kellecioglu - die überlebende Tochter von Osman und Fatma Can - zusammen mit weiteren Angehörigen, OB Feller, Landrat Thomas Ebeling, Stadträten, Alt-OB Helmut Hey und Bürgern dieser Stadt Blumen an der Gedenktafel am ehemaligen "Habermeier-Haus" anbrachte.
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