Gedichte und Texte zum Thema Musik bei "Blumen Heinz"
Zwischen Adagio und Allegro

Monika Kalischek (von links), Daniela von Glasow-Kalischek und Reinhold Tietz lasen Texte und Gedichte rund um das Thema Musik. Bilder: sus (2)
Lokales
Schwandorf
20.11.2014
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Lyrik macht Spaß. Das durften gut 40 Besucher am Dienstag bei "Blumen Heinz" erleben. Monika Kalischek, Daniela von Glasow-Kalischek und Reinhold Tietz wählten Gedichte und Texte zum Thema Musik. Die durfte aber nicht fehlen.

(ch) Musik und Lyrik, das war mal eins: Texte zum Klang der Lyra, jenes beinahe mythischen Instrumentes, das die alten Griechen schlugen. So weit zurück reichten die Texte nicht, die die drei Vortragenden ausgewählt hatten, aber auf einen musikalischen Rahmen wurde natürlich nicht verzichtet. Schließlich lautete der Titel des Abends in der VHS-Reihe "Schwandorf liest" auch "Literatur trifft Musik". Hannah von Glasow, Julia Wagner, Laura Jäger und Severin Huf gaben mit ihren Zwischenspielen von Vivaldi über Kummer bis hin zu "Nirvana" und Mark Summer dem sehr gelungenen Abend den letzten Schliff.

Lyrik hat es schwer, leider. Das mag auch daran liegen, dass das gekonnte, laute Vorlesen kaum gepflegt wird. Der pensionierte Deutschlehrer Reinhold Tietz hält dagegen. Egal ob Shakespeare-Sonette (an diesem Abend 8 und 128), Grillparzer, Goethes Werther oder Ludwig Thoma, Tietz erweckt die Zeilen zum Leben, zeigt Leidenschaft und Trauer, Satire und Sehnsucht. Rhythmus, Versmaß, Melodie, Dramaturgie: Es ist ein Genuss, ihm zuzuhören. Besonders auch bei der Parabel "Auf der Galerie" von Kafka, geschrieben in wenigen Satzmonstern über viele Zeilen, die dem Vortragenden nicht nur atemtechnisch einiges abverlangen und die Ambivalenz eines Künstlerdaseins doch auf den Punkt bringen.

Was immer schiefgehen kann, geht schief: "Murphys Gesetz" trifft auch Musiker, wie Daniela von Glasow-Kalischek anhand launischer Texte von Daniel Hope zeigt, schön mit der gebotenen Ironie in der Stimme. Selbst Beethoven scheitert da grandios bei einem Konzert, als er gleichzeitig als Solist und Dirigent auftritt. Der weltberühmte Geiger Nigel Kennedy setzt sich in "Leben und Musik des großen Meisters" mit dem Pomp und Gloria auseinander, das den klassischen Musikbetrieb umgibt. Monika Kalischek ließ Kennedys Gedanken darüber, ob denn das verschlossene Gehabe mancher Künstler der Musik als Kunst gerecht werde, schön durch das bunte Ambiente des zur Bühne umfunktionierten Blumenladens schweben. Man hätte Blütenblätter fallen hören, als sie aus der tragischen Geschichte "Der Cellist von Sarajewo" (Steven Galloway) liest, die auf einer wahren Begebenheit aus dem Jugoslawien-Krieg beruht.

Gerade der Wechsel zwischen schwerer Kost und leicht daher flirrenden Gedichten und Texten machen den Reiz eines solchen Abends aus, und dem Trio am Tisch gelingt die Auswahl vortrefflich. Gekrönt vielleicht von "Schlafes Bruder": Monika Kalischek lässt die wuchtigen, improvisierten Toccata-Stürme, die Protagonist Johannes Elias Alder bei einem Orgelwettstreit durch eine Kirche jagt, beinahe hören, die staunenden Gesichter der Zuhörer vor Augen erscheinen. Ein Vergnügen für die Sinne, dieser Abend. Sehr gekonnt zwischen Forte und Piano, zwischen Adagio und Allegro.
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