Geheimnis der Kunst

Venera Konstantinova (links) und Bissera Valeva (rechts) kommen aus Bulgarien und verbringen einen Auslandsaufenthalt in Schwandorf. Diese Zeit nutzen sie, um ihre Kunstwerke im Oberpfälzer Künstlerhaus zu präsentieren. Bilder: Kempf (2)
Lokales
Schwandorf
02.10.2015
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Die Bilder erzählen von ihrer Liebe zur Heimat. Zwei Künstlerinnen aus Bulgarien stellen am Sonntag, 4. Oktober, im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf ihre Werke aus. Die Arbeiten fesseln den Betrachter - ob das mitunter an einer geheimen Zutat liegt?

Venera Konstantinova und Bissera Valeva - zwei Frauen, die bis Mitte Oktober einen Studienaufenthalt in Schwandorf verbringen, widmen sich in dieser Zeit nicht nur dem Lernen, sondern der Kunst. Am "Tag des offenen Ateliers" zeigen sie zwischen 11 und 17 Uhr im Oberpfälzer Künstlerhaus II (Maximilianstraße 10) ihre Werke.

Beide sind erfahrene Künstlerinnen, die - jede auf ihre Art - von der politischen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte geprägt sind. Ihre Bilder erzählen somit auch von ihrer eigenen Geschichte, ihren Erfahrungen. Und von der Entwicklung des Landes und der Kunst dort. Finden sich in Schwandorf immer wieder große Talente zum Studienaufenthalt ein, so sind es diesmal zwei echte "Hochkaräter", keine jungen Künstler, die mit ihrer Kunst aus ihrer Jugend heraus Neues schaffen wollen. Vielmehr strahlen beide künstlerisches Selbstbewusstsein aus, ruhen in sich, vermitteln große schöpferische Kraft. Der Kontakt kam durch die Partnerschaft mit der Union bulgarischer Künstler zustande.

Aufträge von Kirchen

Venera Konstantinova (geboren 1950) absolvierte die Akademie der Schönen Künste in Bulgarien, ihr Schwerpunkt lag auf der Wandmalerei. Bei der Begegnung in Schwandorf zeigt sie stolz und selbstbewusst eine dicke Mappe mit Abbildungen von Fenstern, die sie mit Glasmalerei gestaltet hat. "Bunte Fenster mit religiösen Motiven haben in den Kirchen Bulgariens keine Tradition, dies änderte sich erst in den letzten Jahren", erzählt sie. Jetzt erhält sie Aufträge von Kirchen, von öffentlichen Einrichtungen, aber auch von Privatleuten, die ihre Häuser mit bemalten Buntglas-Fenstern gestalten lassen.

Im Atelier in Schwandorf hängen an den Studiowänden Bilder, die während ihres Aufenthalts entstanden sind. Sie zeigen Landschaften, Häuser, Kirchen. Menschen erkennt man kaum. Die pastelligen Farben und der leicht flirrend-verwischte Eindruck lassen an Aquarelle denken, jedoch sind es Ölbilder, die sie mit einer Flüssigkeit bearbeitet, deren Zusammensetzung sie nicht preisgibt. "Das ist mein Geheimnis", sagt sie selbstbewusst.

Ihr individueller Esprit kommen sowohl in den Aufnahmen der Buntglasfenster wie auch in ihren aktuellen Arbeiten deutlich zum Ausdruck. Konstantinova zeigte ihre Arbeiten bereits in Sammlungen und Ausstellungen unter anderem in Bulgarien, Japan, Kanada, den USA, Deutschland, Italien, Frankreich, England, Österreich. In Schwandorf fühlt sie sich wohl: "Ich mag deutsche Kultur, Philosophie, Musik und Autoren. Auch den deutschen Humor, das Interesse an vielen Dingen, die deutsche Gründlichkeit und den Fleiß."

Wie Venera Konstantinova lebt und arbeitet auch Bissera Valeva (geboren 1964) in Sofia/Bulgarien. Sie absolvierte die Akademie der Künste in Sofia, auch sie spezialisierte sich auf die Wandmalerei. Seit 2013 hat sie eine Professur für Zeichnen und Gestaltung an der Universität in Sofia inne. Ihr Augenmerk liegt auf Zeichnung und Malerei auf Papier. Ihre Liebe zu besonderen Papieren bringt sie auch in Schwandorf zum Ausdruck. "Es gibt hier hervorragendes Papier, ich liebe es, mit ihm zu arbeiten." Ihr Vater hat ihr die Bögen geschenkt. Sie kann ihre Überzeugung nicht verhehlen, dass die Qualität entscheidend zur Ausdrucksstärke eines Werks beiträgt.

Schläfer und Träumer

Auf dem von ihr so gelobten Malgrund bringt sie großformatige Bilder ebenso wie kleine Darstellungen auf, oft sind es "Schläfer und Träumer". Beim Betrachten wird schnell klar, was gemeint ist. Sie malt nicht Träume oder geträumte Fantasien, sondern schlafende Menschen, in ihrer entspannten Körperhaltung. Deutlich nachempfindbar ist das Eintauchen des Schlafenden in eine Traumphase, in der alltägliche Verhaltensmuster von der Person abgleiten, ihn völlig entrückt wirken lassen. Auch Valeva ist mit zahlreichen Preisen für ihr Werk ausgezeichnet, zeigt ihre Arbeiten in Ausstellungen und Galerien.

Beide Frauen verhehlen nicht, dass das Leben als Künstler in Bulgarien seit 1990 schwieriger geworden ist. Die finanzielle Situation hat sich ohne die Unterstützung durch den Staat sehr verändert. Dennoch strahlen sie die Gelassenheit aus, die nur ein Künstler in sich tragen kann, der sich seines Talents und seines Könnens bewusst ist.
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