Gesprächskonzert mit Stefan Mickisch zu "Also sprach Zarathustra" von Friedrich Nietzsche und ...
Musikalische Wanderungen durch das Leben

Stefan Mickisch führte die Zuhörer tief in die Gedanken Nietzsches und zeigte eindrucksvoll, wie sie Richard Strauss musikalisch umgesetzt hat. Bild: tie
Lokales
Schwandorf
29.09.2015
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Im Oberpfälzer Künstlerhaus erläuterte Stefan Mickisch "Also sprach Zarathustra" von Friedrich Nietzsche und spielte auf dem Klavier die gleichnamige Tondichtung von Richard Strauss.

"Ein unlösbares Problem" sei in der Abhandlung Friedrich Nietzsches unter dem Titel "Also sprach Zarathustra" dargestellt, begann Stefan Mickisch seine Erläuterungen zu der gleichnamigen Tondichtung von Richard Strauss. Unlösbare Probleme hätten ihn schon immer gereizt, mit diesem Bekenntnis, setzte der Musiker seine Ausführungen fort.

War die Veranstaltung am Tag davor über "Don Juan" und "Till Eulenspiegels lustige Streiche" im Saal des Oberpfälzer Künstlerhauses schon sehr gut besucht (wir berichteten), so blieb dieses Mal kein Stuhl mehr frei. Waren am Vortag zwei unterschiedliche Tondichtungen besprochen und gespielt worden, fokussierte sich diesmal alles auf die Aussagen Nietzsches und die musikalischen Gedanken von Richard Strauss dazu.

Nietzsches Zweifel

Nietzsche zweifelte daran, dass Gebete zum Überleben verhelfen. Das richtige, überlegte Tun müsse dabei sein. Nietzsches Philosophie lehnte Religion als bequeme Aussage "Gott wird's schon richten" ab. Er formulierte stattdessen: "Wenn du Friede willst, so glaube, wenn du die Wahrheit wissen willst, so forsche." Die Suche nach einer besseren Welt als der, die wir Menschen haben, bringt laut Nietzsche nichts. Mit den irdischen Gegebenheiten müsse sich der Mensch so arrangieren, dass er zumindest einigermaßen mit seinen Gedanken und Handlungen zufrieden sein kann.

Solche Ideen in musikalische Ausdrucksformen umzusetzen, unternahm nun Richard Strauss. Mickisch wies darauf hin, dass Strauss nicht Nietzsches Philosophie vertont habe, sondern den freien, seinen eigenen Vorstellungen zugetanen Menschen charakterisierte, der in den naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten lebt und sie erforscht, um seine Lebensweise mit ihnen zu verknüpfen. So sind auch die Abschnitte der Wanderungen durch das Leben zu verstehen, die von Nietzsche stammen, von Strauss zu speziellen musikalischen Eindrücken verarbeitet sind und von Mickisch in überzeugender Weise zu Gehör und Verständnis gebracht wurden.

Eins mit der Natur

Das riesenhaft aufsteigende Naturthema "C - g - c" eröffnet die Geschichte der Welt und die Tondichtung, das H-Dur/h-moll-Thema der Menschen führt diese aus der "Hinterwelt" in die "große Sehnsucht", zu "Freuden und Leidenschaften" zur "Wissenschaft", um wenigstens einige der Abschnitte zu charakterisieren. "Überdruss" entsteht, wenn die Wissenschaft nicht zu Ergebnissen führt, die den Menschen weiterbringen, wenn Leidenschaften und Freuden ein unschönes Ende finden. So ist "der Genesende" einer, der sich in Sehnen und Streben nach geistiger Vollkommenheit eins mit der Natur weiß. Am Schluss ist in hoher Tonlage ein H-Dur Akkord, also der Mensch, ganz tief C-Dur, also die Natur, in Übereinstimmung zu vernehmen. Stefan Mickisch zeigte auf, wie das Klavier die Möglichkeit nutzen kann, im Zusammenklang der Töne diese vielen unterschiedlichen Aussagen und Stimmungsbilder glaubhaft zu machen. Es war deutlich zu erkennen, wie sehr dem Pianisten gerade diese Tondichtung am Herzen liegt.

Es war jedenfalls unglaublich, welche Fülle von Tönen Mickisch produzierte und welche intensive Stimmung er damit erzielte. Der rauschende Beifall für dieses Hörerlebnis war mehr als berechtigt.
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