Gesundheit kommt vor Geld

Zukunftsforscher Professor Dr. Horst Opaschowski (rechts) sprach bei einer Veranstaltung der Raiffeisenbank Schwandorf- Nittenau. Die beiden Vorstandsmitglieder Manfred Mehrl und Maximilian Zepf (links neben ihm) hatten den bekannten Buchautor für einen Vortrag gewinnen können. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
14.10.2015
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"Mein Haus, mein Auto, mein Boot war gestern", glaubt Maximilian Zepf. Der Vorstand der Raiffeisenbank Schwandorf-Nittenau beobachtet einen Wertewandel. Der Wunsch nach Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität verdränge das Konsumdenken. Diese Einschätzung teilt auch der Zukunftsforscher Professor Dr. Horst Opaschowski.

"Deutschland 2030 - wie wir in Zukunft leben" heißt das neue Buch des langjährigen Professors an der Universität Hamburg. Der 1941 in Oberschlesien geborene Wissenschaftler gründete 2014 zusammen mit Tochter Irina Pilowa das "Institut für Zukunftsforschung".

Schon vor 20 Jahren habe er die heutigen Flüchtlingsströme vorhergesagt, betonte Dr. Horst Opaschowski in seinem Vortrag, den er am Dienstagabend in der Spitalkirche hielt. In der Zuwanderung sieht er langfristig Zukunftspotenzial, die Toleranz werde für Deutschland zu einem Standortfaktor. Krisen verschieben allerdings die Prioritäten. "Die Sicherheit wird für die Menschen wichtiger werden als die Freiheit", ist der Zukunftsforscher überzeugt.

Der Referent bezog sich auf die aktuelle Shell-Studie, die von einer optimistischen Jugend ausgeht. Für Dr. Horst Opaschowski kündigt sich "ein zweiter demografischer Wandel" an. "Die jungen Menschen bekommen eine neue Lust auf Familie", ist der Berater der Bundesregierung überzeugt. Allerdings geschehe das in einem veränderten Netzwerk. Der Professor, der 1968 mit seiner Arbeit über die "sozialen Folgen der Tourismusentwicklung" promovierte, spricht von "sozialen Konvois", wenn er der Nachbarschaftshilfe mehr Bedeutung beimisst als der Sozialhilfe, Generationenbeziehungen für wichtiger hält als Partnerbeziehungen und das Wohlergehen über den Wohlstand stellt.

Mehr für Lebensqualität

Die Arbeitswelt der Zukunft werde weiblicher und älter, "weil die Wirtschaft auf die Frauen und älteren Arbeitnehmer mehr denn je angewiesen sein wird". Die junge Generation sei auf der Suche nach dem "Gleichgewicht zwischen Leistung und Lebensfreude", so die Beobachtung des Buchautors. Gesundheit sei wichtiger als Geld, Fortschritt bedeutender als Wachstum und eine Beschäftigungsgarantie mehr wert als eine Lohnerhöhung.

Dr. Horst Opaschowski glaubt fest daran: "Die Suche nach Sinn, Halt und Heimat wird sich bei den jungen Menschen verstärken". Ihnen gehe es um "eine bessere Gesellschaft, an deren Entwicklung sie auch konkret mitwirken wollen".
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