Gewerkschaft und Kraftwerksbranche wollen neue Regelungen für den Strommarkt - Arbeitsplätze in ...
Hochspannung auf dem Energiesektor

Personalratsvorsitzender Josef Bauer, Verbandsdirektor Thomas Knoll, Stellvertreter Franz Grabinger und Ver.di-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner (von links) suchten den Schulterschluss. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
08.10.2014
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"Der Strommarkt befindet sich außer Rand und Band", sagt Thomas Knoll. Für den Direktor des "Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf" (ZMS) geraten immer mehr Kraftwerksbetreiber wegen des Preisverfalls in Existenznot.

Soweit sei es beim Müllkraftwerk trotz 50-prozentiger Einnahmeverluste zwar noch nicht, doch müsse der ZMS im neuen Jahr die Preise pro Tonne Abfalls um 15 Euro erhöhen. Dies werde zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Müllgebühren haben, so der ZMS-Direktor.

Ein Umsteuern auf dem Energiesektor fordert auch die Gewerkschaft "Ver.di". Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner befürchtet den Verlust von 20 000 Arbeitsplätzen in den nächsten drei Jahren, "wenn die Politik nicht umdenkt". Die Gewerkschaft suchte am gestrigen Aktionstag den Schulterschluss mit Stromerzeugern und Verbrauchern und nach einem gemeinsamen Nenner für die "Lobbygespräche mit den Entscheidungsträgern". Ver.di unterstützt die Forderung der Kraftwerksbetreiber, die Entgelte nicht nach den Strommengen, sondern nach den bereitgestellten Kapazitäten zu berechnen. "Zu bestimmten Zeiten können manche Kraftwerke gar keinen Strom mehr einspeisen und bleiben auf ihren Kosten sitzen", so Knoll. Vor allem Gaskraftwerke hätten unter der momentanen Regelung zu leiden.

Betreiber wollen Garantien

Der Gewerkschaft dagegen geht es mehr um die Systemstabilität. "Strom muss zu jeder Zeit ausreichend vorhanden sein", fordert Gröbner. Die "Erneuerbaren" könnten dies nicht garantieren. Deshalb seien zur Bedarfsdeckung Alternativen erforderlich. Die Betreiber von konventionellen Kraftwerken bräuchten aber Garantien, so der Ver.di-Vertreter. Dadurch ließen sich auch die aktuell 180 000 Jobs in der Branche sichern. In der effizienteren Abwärmenutzung sieht Verbandsdirektor Thomas Knoll eine weitere Herausforderung. Mit einer besseren Ausschöpfung ließe sich die Energieeffizienz wesentlich erhöhen.

Die erneuerbaren Energien haben für ihn "das System völlig durcheinander gebracht". Früher habe man erzeugte Strommengen genau kalkulieren können, jetzt nicht mehr. Diese Verwerfungen in Deutschland hätten Auswirkungen auf den gesamten europäischen Strommarkt. Am 5. November haben "die Lobbyisten" einen Termin im Bundesenergieministerium. Dort wollen Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertreter ihre Forderungen vortragen und Einfluss nehmen auf die politischen Entscheidungsträger. "Es ist fünf vor zwölf", sagt Gröbner.
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