Gitarrist Roberto Legnani begeistert in der Spitalkirche sein Publikum mit feinsinniger ...
Behutsam gezupfte Faszination

Roberto Legnani ist ein Meister an der Gitarre. In der Spitalkirche präsentierte er beeindruckend vor allem spanische Werke. Bild: tie
Lokales
Schwandorf
30.05.2015
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Im Gegensatz zu dem hinten auf der Bühne stehenden Flügel betört die Gitarre weniger durch machtvollen Klangrausch, sondern eher durch Klangkombinationen, die verhalten intoniert zum ergreifenden Musikerlebnis werden. So in der zumindest halbvollen Spitalkirche, als der international bekannte Gitarrist Roberto Legnani Musikstücke gestaltete, die dem Titel seines Programms "Faszination Gitarrenmusik" voll entsprachen.

Mit der spanischen Romanze aus dem Film "Jeux interdits", komponiert von Narciso Yepes nach einer Melodie von Fernando Sor, eröffnete der Musiker stilgerecht sein fast nur von spanischer Musik geprägtes Programm. Glaubhaft verwirklichte er deren Sinngehalt, indem er behutsam die einzelnen Melodietöne des Stückes hervorhob und gleichzeitig den Begleittönen ihre wichtige Funktion zuerkannte.

Taktliche Unterstützung

Im nächsten Stück, "Asturias" von Isaac Albéniz, faszinierte Legnanis Können in den ruhelosen virtuosen Tonsequenzen ebenso, wie im melodiereichen Mittelteil. Andächtig lauschte das Publikum. Die folgenden zwei Stücke pflegten ebenfalls das Image der schnellen Tonfolgen, deren höchste Töne eine Melodie gestalten, während die tieferen passende Begleitfiguren darbieten. Dabei reichen melodische Folgen bis in hohe Flageolett-Töne und werden taktlich unterstützt von Schlägen der Hand oder einzelner Finger auf das Holz des Instruments. Roberto Legnani gelang das alles tadellos.

Nachdenkliche Musik durchzog die Einleitung von "3 Neginot", dann rauschten die Töne in zappeliger Unruhe vorüber, immer wieder von verhaltenen Abschnitten gezähmt. Ein besonderer Genuss war es, die weltberühmte Melodie des "Capricho Arabe" von Francisco Tárrega einmal in der Originalgestalt zu hören. "Maxixe", ein Tanz aus Rio de Janeiro, erklang in rhythmischer Bravour.

Auch Kontraste

Mit Francisco Tárrega ging es nach der Pause weiter: "Recuerdos de la Alhambra" enthält eine so tiefbewegende Melodie, dass man sich gerne die maurische Burg in Granada vorstellt. Auch die beiden folgenden Stücke blieben im spanischsprachigen Raum, ob es sich nun um den schwermütigen "Fischer aus Algeciras" oder die glanzvolle "Nacht in Montevideo" handelte. Das Schwirren von Bienen ist dagegen in der ganzen Welt gleich: "Las Abejas" von Agustin Barrios Mangoré klang dementsprechend ruhelos schwirrend von Anfang bis zum Ende. Die "Allemande" des deutschen Komponisten Dietrich Buxtehude folgte als ruhiger Tanz, der seine Gefühlswelt in strenge m formalem Bewusstsein äußerte.

Den Kontrast dazu bildete das letzte Stück des Programms: "Le Rossiniane no. 1" op 119 von Mauro Giuliani überträgt Melodien von Gioacchino Rossini auf die Gitarre. Wenn man meinte, das könne nicht genügend klingen, belehrte einen Roberto Legnani schnell einer besseren Einsicht. Virtuos und immer sehr klangvoll gab er den faszinierend von Giuliani arrangierten Nummern ein überzeugendes Eigenleben.

Der Beifall nach dieser grandiosen Interpretation war entsprechend groß. Als Zugabe trug der Gitarrist noch ein andalusisches Musikstück voller Folklore vor. Roberto Legnani war zusammen mit Ariana Burstein schon öfter in Schwandorf. Man kann nur wünschen, dass er und sie die Stadt weiterhin auf ihrem Tourneeplan haben.
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