Glatter Freispruch für 51-Jährigen - Offene Rechnung bei Kfz-Betrieb Auslöser einer Anzeige
Missverständnisse, aber kein Betrug

Lokales
Schwandorf
04.03.2015
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Muss denn wirklich alles vor Gerichten ausgetragen werden? Da saß ein Mann auf der Anklagebank, dem die Staatsanwaltschaft Betrug vorwarf. Der 51-Jährige war aber nie und nimmer ein Betrüger. Die Konsequenz daraus konnte nach Beweiserhebung nur ein Freispruch sein.

Es ging um knapp 400 Euro. Eine unbezahlte Rechnung, offen seit zweieinhalb Jahren. "Ich will ja zahlen", sagte der Beschuldigte. Das kann er auch. An Geld mangelte es ihm nie. Allerdings waren da Unstimmigkeiten, die er immer geklärt haben wollte. Doch das, so brachte die Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer heraus, fand eigentlich eher oberflächlich statt. Der Hintergrund war rasch ausgeleuchtet. Im Raum Nittenau gibt es einen Kfz-Betrieb, bei dem der 51-jährige Angeklagte seit vielen Jahren Reparaturarbeiten ausführen lässt. Stets zu seiner Zufriedenheit. Bis heute übrigens.

Nur ein einziges Mal gab es Disharmonien. Im Jahr 2012 wurden zwei Radlager und ein Bremsschlauch an einem Pkw gewechselt. Der 51-Jährige - so stellte sich heraus - hatte anfänglich darauf bestanden, die Ersatzteile selbst preiswert zu besorgen und sie dann einbauen zu lassen. Das war im Vorfeld schon mehrfach so vonstatten gegangen. Doch in dem speziellen Fall erbot sich der Werkstattbesitzer, das Material kostengünstig selbst zu ordern. So geschah es dann auch. Die Rechnung über nahezu 400 Euro erstaunte in dieser Höhe den, wie er sich selbst bezeichnete, "Stammkunden". Er diskutierte mit dem Unternehmer, zahlte nicht und hoffte auf Einigung. Dann kamen Mahnungen. Als auch sie fruchtlos blieben, wurde die Sache einem Rechtsanwalt übergeben. Auch er mahnte und erstattete, als wieder kein Geld plus Anwaltsgebühr kam, Betrugsanzeige. Worauf eine Ermittlungsmaschinerie in Gang kam.

War das wirklich Betrug? "Ich zahle ja", versicherte der 51-Jährige sehr glaubhaft. "Allerdings", so fügte er hinzu, "nicht an den Rechtsanwalt." Im Gerichtssaal wurde anschließend deutlich, dass Werkstattbesitzer und Kunde bis heute gute geschäftliche Beziehungen haben. "Nur waren da eben diese Missverständnisse, die man hätte ausräumen müssen", befand Richterin Froschauer. Der Rest war Routinesache. Staatsanwältin und Verteidiger beantragten Freispruch, die Vorsitzende schloss sich ohne lange Überlegungen an. "Ich kann zahlen und ich werde das auch tun", hatte der 51-Jährige zuvor versichert und ergänzt, er habe das ja immer machen wollen. Nur seien eben Materialkosten und Rechnungshöhe nie einvernehmlich geklärt worden. Die Richterin unterstrich: "Hier handelt es sich um eine reine zivile Forderung ohne strafrechtliche Relevanz." (Hintergrund)
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