"Gottseidank hab' ich nicht angezündet"

Alles wieder dicht: Ein Arbeiter verfüllt die Baugrube, in der am Donnerstag ein Leck in einer Gasleitung entstanden war, das für einen Großeinsatz sorgte. Bild: Hösamer
Lokales
Schwandorf
21.08.2015
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Es lagen wohl nur wenige Sekunden zwischen einer Katastrophe und dem glimpflichen Ausgang eines Gaslecks an der Friedrich-Ebert-Straße. Wie die Leitung beschädigt wurde, wird wohl ungeklärt bleiben.

"Ich hatte den Brenner gerade ausgemacht, weil die Flasche leer war", berichtete der Arbeiter, der für eine Spezialfirma am Donnerstag an der Isolierung der neuen Fernwärmeleitung arbeitete. Dies geschieht mit einer Art Folie, die mit einer offenen Flamme über die Leitung geschrumpft wird. "Ich schnuppere immer, wenn ich in die Grube steige", erzählte der kräftige Mann gestern vor Ort, während er gerade den Schlauch seines Brenners zusammenrollte. Dem an sich geruchlosen Erdgas ist nämlich ein Stoff beigemischt, der erbärmlich nach Lösemitteln stinkt und der am Donnerstag rund um das Leck deutlich zu riechen war. Hinter ihm habe es dann plötzlich gezischt, gerade als er den Brenner wieder in Betrieb nehmen wollte: "Gottseidank hab' ich nicht angezündet".

"Lappen draufgedrückt"

Das austretende Erdgas blies erst mal den Sand weg, der die Leitung bedeckte. "Ich hab einen Lappen draufgedrückt und gerufen, dass jemand Hilfe holen soll." Der Notruf ging am Donnerstag gegen 16.30 Uhr bei der Leitstelle ein, die Einsatzkräfte rollten an, das Gebiet um die Ebert- und Garrstraße wurde weiträumig abgesperrt.

Die Gasleitung war nach Polizeiangaben an einem T-Stück Leck geschlagen, aus einem etwa zehn Zentimeter großen Loch strömte der Brennstoff aus. Mitarbeiter des Gasversorgers Bayernwerk schlossen die umliegenden Schieber, bis kein Gas mehr austrat. Ein Hauptschieber machte dabei kleinere Probleme, die aber ebenfalls gelöst wurden. Die Versorgung von rund 40 Kunden in der Ebert-, der Garrstraße und der Sackgasse war damit ebenfalls unterbrochen. Gegen 17 Uhr war alles dicht.

Der Pressesprecher des Bayernwerks, Christian Martens, erläuterte am Freitag auf Nachfrage, dass die Leitung noch am Donnerstag Abend wieder repariert und geprüft worden sei. Die Betriebssicherheit sei wieder hergestellt. Nun seien die Mitarbeiter dabei, die einzelnen Hausanschlüsse wieder in Betrieb zu nehmen. Aus Sicherheitsgründen muss das jeweils vor Ort geschehen. Das werde sich noch bis Samstag hinziehen. "Wir müssen die Kunden auch antreffen", sagte Martens.

"Nicht nachvollziehbar"

Es sei davon auszugehen, dass der Bruch der Leitung mit den Arbeiten an der Baustelle zusammenhänge, sagte Martens. Dass ein Bagger die Leitung gerammt habe, sei auszuschließen. "Aus unserer Sicht ist der Hergang nicht nachvollziehbar. Vielleicht ist irgendetwas auf die Leitung gefallen." Der Gasversorger gehe von einem Verschulden Dritter aus, sagte Martens. "Einfach so" platze eine Gasleitung natürlich nicht.

Die Polizeiinspektion Schwandorf hat am Freitag weiter ermittelt. "Ein Nachweis über ein fahrlässiges oder schuldhaftes Verhalten der bauausführenden Arbeiter konnte bisher nicht festgestellt werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Eventuell könne der Leitungsbruch auch mit Materialermüdung in Verbindung gebracht werden.

In der Inspektion sei am Freitag zu Dienstbeginn nochmal das Verhalten einiger uneinsichtiger Passanten Thema gewesen, sagte der Chef der Schwandorfer Polizei, Erster Hauptkommissar Armin Kott, gestern im Gespräch mit dem NT. "Leider muss man da auch mal laut werden", sagte der Polizeichef. Vollkommen zu Recht: Vor allem an der Ecke Nagelschmiedgasse/Postgartenstraße versuchten immer wieder Passanten, durch die Absperrung aus Trassierband und mehreren Einsatzfahrzeugen zu gelangen. Dass es einerseits nach Gas roch, andererseits hinter den Absperrungen vor Einsatzkräften nur so wimmelte, scheint den ein oder anderen schlicht nicht interessiert zu haben. Letztendlich, urteilt die Polizei, sei es einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass der Isolierer seinen Brenner nicht zündete. "Sonst hätte es womöglich in einer größeren Explosion geendet", heißt es im Polizeibericht.
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