Großformatige Collagen

Für ihre Werke mischt Annegret Hoch die Farben selbst mit Eitempera an - mit dieser Technik arbeiten heute nur noch wenige Künstler.
Lokales
Schwandorf
07.11.2015
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Farbigkeit - das ist das Kennzeichen der Arbeiten von Annegret Hoch. Dass die Künstlerin außerdem mit Eitempera arbeitet, verleiht ihren Werken eine zusätzliche Extravaganz. Auch in der neuen Ausstellung im Oberpfälzer Künstlerhaus wird klar: Annegret Hoch sprengt alle Rahmen.

Corporate Identity: Auf Annegret Hoch und ihre Arbeiten trifft das in besonderem Maße zu. Rote Haare, rote Lippen, rote Schuhe, grüner Pulli, orangefarbener Schal: So steht die Künstlerin vor ihren Bildern. Und fügt sich somit fast schon ein in die vielfarbigen, abstrakten Welten, die darauf zu sehen sind.

Rot, Grün, Gelb, Blau, Schwarz: Wann die Farbexplosion bei Hoch stattgefunden hat, weiß die gebürtige Chamerin noch ganz genau. Es war während eines Studienaufenthalts in Mailand. Es war Winter, es war grau und die damals stets in Schwarz gekleidete Nachwuchskünstlerin - "wie man das halt so macht", so ihr rückblickender Kommentar - suchte Zuflucht in farbenspendenden Museen. Die Erkenntnis "Annegret, du brauchst Farbe" setzte bald ein - und zwar mit voller Wucht. Zurück an der Akademie der Bildenden Künste in München wagte Hoch einen Neuanfang. Sie wechselte den Professor und stürzte sich ins Farb-Abenteuer.

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So ungefähr lautet die Vorgeschichte zu einer markanten Ausstellung, die am Sonntag, 8. November, im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf eröffnet wird. "Annegret Hoch. Zeiten dazwischen. Malerei und Collagen" lautet der Titel der Schau, die auf zwei Stockwerken in der Kebbel-Villa zu sehen ist. Hoch präsentiert ihre Arbeiten darin mit voller Wucht. Großformatige Collagen führen zu lockeren Wandmalereien. Modelle geben eine Vorstellung vom Schaffen der Künstlerin an öffentlichen Gebäuden. Kleine Werke zeigen, dass sie sich durchaus auch in einen Rahmen stecken lässt. Wenn sie will. Das ist allerdings nicht selbstverständlich bei dieser Künstlerin, die zwar betont: "Ich betreibe meine Sache sehr ernsthaft", die ein Augenzwinkern aber gerne zulässt. Denn nicht nur der Kartoffeldruck kommt bei ihr zur Ehre oder banale Dinge wie Preisschilder zum Einsatz. Ihre Leinwandcollagen aus der Serie "The Edge" zumindest entstehen ohne Keilrahmen, sprich: Sie sind nicht rechteckig. Vergnügt ragen Ecken und Kanten über den Bildrand hinaus. Das Rahmensprengende wirkt naheliegend bei einer Künstlerin, die ganze Wände mit abstrakten Mustern überzieht.

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Ei als Bindemittel

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Aber: Bei aller Verspieltheit ihrer Arbeiten - Annegret Hoch hält sehr wohl an Traditionen fest. Kaum ein Künstler mischt etwa heute noch seine Farben mit dem klassischen Bindemittel Ei. Annegret Hoch tut es - und stellt sich dabei in eine Linie mit den alten Meistern, für die das ebenso selbstverständlich war wie für sie. Überhaupt spielt die Kunstgeschichte bei Hoch eine weitaus größere Rolle, als man angesichts ihrer abstrakten Farbkompositionen zunächst denken mag. Einige ihrer Bilder beziehen sich auf Werke von Monet, Cranach oder Baselitz.

In anderen Darstellungen verarbeitet sie Alltagseindrücke. Gegenständliche Fragmente wie der Umriss einer Frau, die Falten eines Vorhangs oder einfach nur der Horizont sind hier mit einem gewissen Hintergrundwissen zu erkennen. Das ist von Hoch so gewollt. Auch wenn sie deutlich betont: "Ich sehe meine Arbeiten als abstrakt."

All ihre Werke sind inhaltlich oder technisch auf gewisse Weise verbunden, sagt die Künstlerin, die gerne in Serien arbeitet. In Schwandorf schließt sich für Hoch ein Kreis. Die Idee zu ihren vieleckigen Collagen kam ihr während eines vom Oberpfälzer Künstlerhaus ermöglichten Stipendienaufenthalts in Kalifornien. Der Dank dafür ist eine Ausstellung, die dem Betrachter mehr beschert als eine Offenbarung der Farbe.

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Die Ausstellung "Annegret Hoch. Zeiten dazwischen. Malerei und Collagen" wird am Sonntag, 8. November, um 11 Uhr im Oberpfälzer Künstlerhaus, Fronberger Straße 31, in Schwandorf eröffnet. Die Schau läuft bis Sonntag, 13. Dezember. Am Sonntag, 22. November, um 14.30 Uhr findet ein Künstlergespräch mit Annegret Hoch statt. Weitere Infos gibt es unter Telefon 09431/9716 oder unter www.oberpfaelzer-kuenstlerhaus.de.
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