Gutachter im medizinischen Rechtsstreit um 2,2 Millionen abgelehnt - Landgericht auf Suche
Neuer Sachverständiger muss her

Lokales
Schwandorf
24.09.2014
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Der Fall, bei dem es um Schadenersatz und Schmerzensgeld in Millionenhöhe geht, hätte eigentlich längst vor einer Zivilkammer des Amberger Landgerichts verhandelt sein sollen. Doch dann geschah Unvorhergesehenes: Ein renommierter medizinischer Sachverständiger wurde wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt. Das ist ein wirklich ungewöhnlicher Vorgang.

Es geht um einen heute sechs Jahre alten Jungen, der mit schwersten Hirnschädigungen zur Welt kam und lebenslang ein Pflegefall sein wird. Die Geburt fand in einem Krankenhaus im Landkreis Schwandorf statt, sie ging mit Komplikationen einher. Wurden dabei Fehler gemacht? Der Weidener Rechtsanwalt Dr. Burkhard Schulze bejaht das. Für den Buben und dessen aus dem Raum Regensburg stammende Eltern reichte er 2013 Klage zum Landgericht Amberg ein. Schulze will dabei 2,2 Millionen Euro erstreiten (wir berichteten).

Beklagt sind ein Gynäkologe, eine Hebamme und die Klinik. Im Vorfeld der Klageerhebung hatten die Eltern des Schwerstbehinderten mehrere medizinische Gutachten in Auftrag gegeben. In diesen Expertisen hieß es sinngemäß und zusammenfassend, es seien Fehler gemacht worden. Teilweise soll das sogar in haarsträubender und dilettantischer Art geschehen sein.

Anwalt: voreingenommen

Die Amberger Zivilkammer nahm diese Gutachten zwar zur Kenntnis, machte sie aber nicht zur Grundlage ihrer Entscheidung. Sie beauftragte von sich aus im November letzten Jahres einen Gynäkologen aus München. Der sollte, so war die weitere Planung, bis zum Sommer 2014 die Vorgänge prüfen, bewerten und seine abschließende Meinung dazu äußern. Bisher aber ist dies nicht geschehen.

Warum? Auf Nachfrage unserer Zeitung äußerte Anwalt Burkhard Schulze: "Ich habe den Sachverständigen wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt." Dafür gebe es einen Grund, auf den Schulze nicht näher eingehen wollte. Er habe aber etwas mit möglicher Voreingenommenheit zu tun. Die Zivilkammer, so ließ der Weidener Anwalt erkennen, habe seinem Antrag entsprochen.

Jetzt steht das Landgericht vor dem Problem, einen neuen Gutachter zu finden. Das scheint nicht einfach zu sein, da die Liste der renommierten Gynäkologen und Geburtshelfer im Sachverständigenfach eher begrenzt ist.

Ende offen

Bisher, so war zu vernehmen, ist in Amberg keine Entscheidung darüber gefallen, wer denn nun die Arbeit auf sich nehmen und in dem sehr komplizierten Fall eine unparteiische Meinung abgeben soll, die sowohl von den Anwälten als auch von der Kammer akzeptiert wird. Womit fest steht: Ein Ende der Millionenklage vor dem Amberger Landgericht ist bisher nicht in Sicht.
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