Heftige Strafe für 9.75 Euro Beute - Putzfrau (62) deponiert Diebesgut in einem Müllbehälter - ...
Sie kann das Stehlen einfach nicht lassen

Lokales
Schwandorf
27.01.2015
0
0
Sie kann es einfach nicht lassen. Immer dann, wenn gerade eine Bewährungszeit überstanden und die Strafe erlassen ist, geht eine 62-Jährige aus Schwandorf wieder zum Stehlen. Ins Gefängnis aber muss sie auch diesmal nicht.

150 Arbeitsstunden für 9.75 Euro. Wie passt das zusammen? Eigentlich nur dann, wenn man weiß: Die Stunden müssen per richterlicher Weisung unentgeltlich für die Allgemeinheit geleistet werden und der Euro-Betrag stellt den Wert der Beute dar. Das klafft weit auseinander, ist aber gerecht. Daneben gab es noch vier Monate zur Bewährung und gleichzeitig ein tiefes Aufatmen bei der Angeklagten. Denn sie war bei ihrer zwischenzeitlich neunten Vorstrafe wieder einmal haarscharf am Gefängnis vorbeigeschrammt.

Von Kolleginnen gestellt

Ziemlich dreist, was sie diesmal angestellt hatte. Die 62-Jährige war Reinigungskraft in einem Schwandorfer Supermarkt, klaute Ware, packte diese in einen Plastiksack und deponierte ihre Beute in einem Müllbehälter. Nach Feierabend wollte sie das Diebesgut abholen. Doch die Putzfrau war von Kolleginnen beobachtet und gestellt worden.

"Warum schon wieder eine Straftat?", wollte Richterin Petra Froschauer wissen. Die Erklärung: "Ich hatte kein Geld und mein Enkel kam zu Besuch." In der Plastiktüte befanden sich Schoko-Bonbons, Batterien und Gummibärchen, die - laut Werbung - "Kinder froh" machen sollen. In diesem Fall geschah allerdings genau das Gegenteil: Statt Fröhlichkeit beim Enkelsohn nahm seine Oma eine weitere Stufe abwärts in die Kriminalität.

Eigentlich wäre die Marktleitung bereit gewesen, auf eine Anzeige zu verzichten, wenn die diebische Putzfrau kurzfristig eine Kündigung geschrieben hätte. Das tat sie erst mit einiger Verspätung und zu einem Zeitpunkt, als bei der Schwandorfer Polizei bereits eine Anzeige vorlag.

Geständnis

So kamen Ermittlungen ins Rollen, schrieb die Staatsanwaltschaft eine Anklageschrift. Fünf Monate Haft mit Bewährung und 150 Arbeitsstunden zugunsten der Allgemeinheit forderte Staatsanwalt Tobias Kinzler und fügte seinem Antrag hinzu: "Nur ihr abgelegtes Geständnis kann dazu führen, dass sie nicht in Haft muss."

Das meinte auch die Richterin. Sie verhängte die von Kinzler verhängte Anzahl von Arbeitsstunden, ging auf vier Monate Gefängnis zurück und setzte die Bewährungszeit auf fünf Jahre fest. "Sie haben Vertrauen missbraucht und Ihren Job aufs Spiel gesetzt", schrieb sie der seither arbeitslosen Frau ins Stammbuch.
Weitere Beiträge zu den Themen: Straftat (812)Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.