Heiße Liebe und eiskalte Abzocke

Lokales
Schwandorf
17.01.2015
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Die Geschichte von einer Dame namens "Irina" aus Russland ist so unglaublich, dass man sie ausführlich erzählen muss. Denn die bizarre Story mit realem Hintergrund belegt, wie ein unbescholtener und gutgläubiger Mensch in die Fänge einer international operierenden, kriminellen Vereinigung gelangen kann.

Er war einsam, sehnte sich nach Zuneigung und suchte im Internet Kontakte zu Frauen. Was dann passierte, hätte ein 51-Jähriger aus Schwandorf nie für möglich gehalten. Denn seine über PC angebahnte Freundschaft zu einer gewissen "Irina" führte den Mann unter dem Verdacht der Geldwäsche vor die Amtsrichterin Petra Froschauer. Zu ihr sagte er ebenso genervt wie völlig entgeistert: "Ich habe mich doch in keiner Weise strafbar gemacht."

Hatte er das? Die Richterin verneinte später. Doch zunächst wurde zwei Stunden lang erörtert, was sich über Computer und Telefon abspielte. Die angeblich 1980 geborene Dame "Irina" gab sich als alleinstehend zu erkennen, schickte ihr Foto, ließ Sympathie erkennen. Das Herz des getrennt lebenden Schwandorfers entbrannte, wenn man so wollte, lichterloh. Er schrieb zurück, dass er sehnlichst ihren Besuch erwarte und sie in seiner Heimat in die Arme schließen wolle.

Skrupellos benutzt

"Irina" blieb am Ball, ließ nicht locker. Sie gab in Telefongesprächen und Mails ihre sich ständig steigernde Gewogenheit zum Besten, schilderte Reisepläne nach Deutschland. Dann aber folgte, was den 51-Jährigen jetzt auf die Anklagebank brachte: Die angebliche Russin beschrieb einen gewissen Geldmangel und fragte an, ob der Freund in Schwandorf denn bereit sei, ihr 4000 Euro zu schicken, die ihm von einem Bekannten ihrer in der Bundesrepublik lebenden Cousine überwiesen würden. "Ich habe da an nichts Böses gedacht", erzählte der Beschuldigte.

Die 4000 Euro kamen auf sein Konto. Er hob sie ab, fuhr wie von "Irina" erbeten, nach Regensburg zu einem Institut namens "Money Gram" und leitete sie weiter an das Konto seiner russischen Freundin. Dafür zahlte der Mann aus eigener Tasche auch noch 150 Euro Gebühr. Später trafen auf seinem Konto noch einmal weit über 2000 Euro quasi als zweite Rate ein. Doch das Geldinstitut war bereits hellhörig geworden, wurde von sich aus tätig und sorgte dafür, dass nichts mehr abgehoben werden konnte. Ab dann verschwand "Irina" von der Bildfläche. Unter diesem Namen waren, wie ein Kripobeamter jetzt die Richterin informierte, bayernweit mehrfach höhere Summen "gewaschen" worden.

Hätte der 51-Jährige die offenbar von langer Hand vorbereitete Betrugsaktion erkennen müssen? Staatsanwalt Schneider bejahte und forderte 2000 Euro Strafe wegen "leichtfertiger Geldwäsche". Verteidiger Norbert Rötzer widersprach ihm vehement. "Mein Mandant weiß gar nicht, was Geldwäsche ist", unterstrich er und fügte seinem Antrag auf Freispruch hinzu, dass der Betrag an "Irina" in gutem Glauben und arglos weitergeleitet worden sei.

Keine Geldwäsche

Richterin Froschauer brauchte für ihr Urteil noch nicht einmal zehn Sekunden. Sie sprach den Angeklagten frei und begründete ihre Entscheidung so: "Er hat die Daten von ihr erhalten und ihm wurden auf alle Fragen Antworten gegeben, die schlüssig waren." Die Überweisung sei dann wohl aus Zuneigung und Liebe geschehen, eine Geldwäsche lasse sich nicht erkennen. Woher aber stammten die 4000 Euro? Wer hatte sie nach Schwandorf überwiesen? Das ist wiederum eine eigene Geschichte. (Hintergrund)
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