Herzrhythmusstörungen Thema bei Patientenforum im Krankenhaus St. Barbara
Wenn die Pumpe aus dem Takt gerät

Vor vollem Festsaal referierten Chefärztin Dr. Elisabeth Bösl (Mitte), Leitende Oberärztin Dr. Monika Pilz (links) und Oberärztin Dr. Heike Naser-Schuh über Ursachen von Herzrhythmusstörungen. Bild: hfz
Lokales
Schwandorf
18.11.2014
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Der emeritierte Papst Benedikt XVI. trägt einen, Helmut Kohl und Elton John ebenfalls: Herzschrittmacher sind weit verbreitet und verhelfen Patienten mit Herzrhythmusstörungen wieder zu mehr Lebensqualität. Durch spezielle Schrittmacher (Defibrillatoren) können manche Patienten auch vor dem plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern bewahrt werden. 56 Jahre nach der Implantation des ersten Schrittmachers sei die Technik bestens ausgereift, berichtete Dr. Elisabeth Bösl, Chefärztin der Kardiologie am Krankenhaus St. Barbara, den weit über Hundert Zuhörern beim Patientenforum "Aus dem Takt - Herzrhythmusstörungen".

Von Herzrhythmusstörungen werde gesprochen, erklärte Dr. Monika Pilz (Leitende Oberärztin der Kardiologie), bei allen unregelmäßigen Schlagfolgen des Herzens oder bei einem zu schnellen (über 100 Schlägen pro Minute) oder zu langsamen Herzschlag (weniger als 50 Schläge pro Minute). Ein zu langsam schlagendes Herz mache sich zum Beispiel durch Schwindel, Sehstörungen oder sogar Bewusstlosigkeit bemerkbar. Schlägt das Herz zu schnell, klagen Patienten beispielsweise über Brustschmerzen und Luftnot. Oft führten Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, eine koronare Herzkrankheit oder Klappenerkrankungen zu Rhythmusstörungen. Aber auch das Alter, Übergewicht, eine Überfunktion der Schilddrüse oder Lungenerkrankungen sowie nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) können diese begünstigen. Nicht zuletzt haben Alkohol, Nikotin, Drogen, Medikamente oder Flüssigkeitsmangel schädliche Auswirkungen. Wer sein Herz schützen möchte, sollte auf ausreichende Aufnahme von Kalium und Magnesium achten. Treten Herzrhythmusstörungen akut auf, die mit einer Ohnmacht einhergehen, gilt es laut Dr. Monika Pilz, sofort die Notrufnummer 112 zu wählen. Falls beim bewusstlosen Patienten kein Puls mehr zu tasten ist und er auf Schmerzreize nicht reagiert, muss sofort eine Herzdruckmassage vorgenommen werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bei Herzrhythmusstörungen zur Verfügung stehen, erfuhren die Besucher von Dr. Heike Naser-Schuh, Oberärztin Kardiologie am Klinikum Weiden. Sie empfahl bei bestimmten Störungen eine elektrophysiologische Untersuchung, nach der die optimale Therapie festgelegt werden könne. Handelt es sich um ein gutartiges Herzrasen, helfen Medikamente, die jedoch dauerhaft eingenommen und wegen möglicher Nebenwirkungen kritisch überprüft werden müssen. Bei Herzstolpern kann sich bereits eine kalium- und magnesiumreiche Ernährung positiv auswirken.

Mehr als jeder zehnte Deutsche über 80 Jahre leidet unter Vorhofflimmern. Dabei können sich die Vorhöfe des Herzens nicht mehr regelrecht zusammenziehen, und es kommt zur Bildung von Blutgerinnseln. Werden diese vom Blutstrom fortgeschwemmt, können sie zu einem Schlaganfall oder anderen Gefäßverschlüssen führen. Ein wichtiger Therapiepfeiler bei der Behandlung von Vorhofflimmern ist deshalb eine geeignete Blutverdünnung. Als beste Strategie gegen Vorhofflimmern nannte Dr. Heike Naser-Schuh die Behandlung der vorliegenden Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder auch Übergewicht.
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