Hiebe, bis der Besenstiel bricht

Lokales
Schwandorf
15.05.2015
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Es war ein Fall von schwerer häuslicher Gewalt. Erst drosch ein 51-Jähriger so lange mit einem Besenstiel auf seine Lebensgefährtin ein, bis das Holz zerbrach. Dann lief er in den Keller, holte ein Metallrohr und setzte seine Prügelorgie fort. Jetzt saß er vor dem Schwandorfer Schöffengericht.

Er nahm sie zu sich, ließ die Frau in seinem Haus wohnen. Dabei wusste der 51-jährige Schwandorfer: Seine Freundin (46) trank. Anfangs war er bemüht, ihr bei Entzugsversuchen zu helfen. Doch dann kam ein Abend im März letzten Jahres, an dem die Situation eskalierte und schließlich in eine Orgie der Gewalt mündete.

Betrunken vorgefunden

Der Arbeiter hatte Probleme mit Finanzbehörden, ihm drohte die Kündigung. Als er heim kam, lag die Frau total betrunken im Bett. Sie hatte mal wieder zur Schnapsflasche gegriffen und räumte das auch vor dem Schöffengericht ein. "Ich wollte, dass sie geht und das Haus verlässt", berichtete der Angeklagte und gab danach zu, was ihm die Staatsanwältin Manuela Zeller vorwarf.

Der Mann erschien mit einem hölzernen Besenstiel im Schlafzimmer, zog seine Lebensgefährtin aus dem Bett und begann damit, auf sie einzuschlagen. Nach drei Hieben brach der Besenstiel ab. Das Opfer kniete wimmernd am Boden. Doch die gewalttätige Ausschreitung ging weiter. "Wenn du dich nicht anziehst und gehst, komme ich mit einem Metallrohr", gab der 51-Jährige seiner Freundin zu verstehen, lief Augenblicke danach in den Keller und holte von dort das angekündigte Züchtigungsinstrument.

Tochter schaut zu

Mit dem Kupferrohr erhielt die Frau weitere heftige Schläge. Dann zog ihr Peiniger aus und versetzte der 46-Jährigen mehrere Fußtritte aufs Gesäß. Die ebenfalls im Haus wohnende Tochter der Misshandelten hatte die Übergriffe mit ansehen müssen. Sie schilderte nun den Richtern, wie ihre betrunkene Mutter den Attacken wehrlos ausgesetzt war. Die Angriffe endeten mit zahlreichen Blutergüssen. "Ich habe seine Entschuldigung angenommen", äußerte die 46-Jährige bei ihrer Vernehmung.

Gegen den Angeklagten sprach, dass er brutal und zügellos vorging. Allerdings war er zuvor nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Staatsanwältin Zeller wog das gegeneinander ab und kam zu der Auffassung, dass es für derlei massive Gewaltexzesse keine Bewährung geben könne. Sie beantragte drei Jahre Haft.

Mit Bewährungschance

"Völlig überzogen", argumentierte Verteidiger Dr. Gunther Haberl. Er beschrieb seinen Mandanten als bis dahin unbescholtenen Mann und legte dem unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger tagenden Schöffengericht nahe, eine Bewährungsstrafe zu verhängen. Das geschah dann auch. Der 51-Jährige bekam 20 Monate, die das Gericht auf drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Der Schwandorfer muss außerdem 2000 Euro an den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) zahlen.
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