Hilfe in letzten Tagen

Gründerin Juliane Schießl-Götz, Palliativ-Ärztin Elisabeth König-Huber und Pflegedienstleisterin Monika Kagerer (von rechts) zogen nach einem Jahr eine positive Bilanz für die Arbeit der "Pallicura". Bild: rid
Lokales
Schwandorf
10.10.2014
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Zu Hause in Würde sterben zu können, das ist der Wunsch vieler schwerstkranker Menschen. Ihn zu erfüllen, hat sich Juliane Schießl-Götz zur Aufgabe gemacht und vor einem Jahr die "Pallicura" gegründet. Ihre Anstrengungen haben sich gelohnt.

"Ich habe diesen Entschluss nicht bereut", sagte sie bei einer vorläufigen Bilanz unmittelbar vor dem Welthospiztag (11. Oktober) und dem Deutschen Hospiz- und Palliativtag (14. Oktober). Über zwei Jahre lang hatte Juliane Schießl-Götz Vorarbeit geleistet, ein Team aus Ärzten und Pflegern zusammengestellt und mit den Krankenkassen über die Zulassung verhandelt. Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Im ersten Jahr des Bestehens konnte das Palliative-Care-Team 84 unheilbar kranke Menschen in deren letzten Lebensphase begleiten. Vier Ärzte, vier Pflegekräfte und eine Arzthelferin gehören zum Stammpersonal. Darunter auch die Fachärztin für Allgemeinmedizin, Elisabeth König-Huber, die in Nittenau eine eigene Hausarztpraxis betreibt und im Pallicura-Team mitarbeitet. "Es geht uns vor allem darum, die Lebensqualität der schwer kranken Patienten zu verbessern und die Schmerzen zu lindern", macht die Palliativ-Medizinerin deutlich.

Aktuell betreut "Pallicura" 15 Patienten zu Hause. Pflegedienstleiterin Monika Kagerer koordiniert die Einsätze und bindet neben dem Pflegepersonal auch Hospizhelfer und Geistliche mit ein. Elisabeth König-Huber ist bei jedem Erstbesuch dabei und entscheidet gemeinsam mit dem Team und den Angehörigen über die weiteren Betreuungsmaßnahmen.

Mit entscheidend ist für sie dabei der Inhalt einer etwaigen Patientenverfügung. Eine solche hatte Peter Jung für seine kürzlich verstorbene Mutter vorlegen können. Der ausgebildete Jurist hatte die Patientenverfügung rechtzeitig mit seiner Mutter erstellt und konnte gegenüber den betreuenden Ärzten und Pflegern deren Willen bekunden. "Das war sehr wichtig", erinnert sich der frühere Richter am Amtsgericht Schwandorf im Gespräch. Denn die Erklärung habe das Pflegepersonal von der Verpflichtung entbunden, lebenserhaltende Maßnahmen einzuleiten. Es sei letztlich nur noch darum gegangen, die Schmerzen zu lindern, das Hunger-Durst-Gefühl in den Griff zu bekommen und die Mutter in der letzten Phase menschenwürdig zu begleiten, so Peter Jung. Er selbst sei froh, seiner Mutter ein Sterben zu Hause in der Obhut von "Pallicura" und im Beisein der engsten Angehörigen ermöglicht zu haben.

"Pallicura" erhält von der Krankenkasse eine Fallpauschale pro Patient. Im Gegensetz zu den privaten Pflegediensten, die jede Leistung gesondert abrechnen müssen. "Dadurch können sich unsere Mitarbeiter wesentlich mehr Zeit nehmen für die Betreuung der Patienten", gibt Juliane Schießl-Götz zu verstehen. Auf Antrag des Hausarztes entscheidet die Krankenkasse, ob die Bedingungen für eine ambulante Palliativbetreuung gegeben sind. Wenn ja, legt die Pflegedienstleitung gemeinsam mit dem Ärzteteam einen Versorgungsplan fest.
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