Hoffnung auf Erdkabel begraben

Dicht umringt waren gleich zu Beginn der Informationsveranstaltung im Piusheim die Karten mit den bisher vorgeschlagenen Trassenvarianten. Bild: Hösamer
Lokales
Schwandorf
16.01.2015
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"Bürger planen mit" steht auf den Plakaten der "Tennet". Rund 100 Schwandorfer nahmen am Freitagabend das Angebot wahr und wollen mitreden, wenn die neuen Starkstromtrasse namens "Ostbayernring" (OBR) konzipiert wird. Einige Hoffnungen sind aber wohl schon enttäuscht.

Die im Piusheim aufgestellten Karten mit den eingezeichneten Planungsvarianten sind gleich zu Beginn dicht umringt. Anlieger, Grundstückseigentümer wollen sehen, wo denn der Ersatzneubau für den OBR entstehen soll. Das weiß aber noch niemand. Eingezeichnet sind einige Varianten. Auch die, die Ergebnis des ersten Info-Marktes in der Spitalkirche im vergangenen Herbst sind. Wie bei nahezu allen Infrastrukturprojekten gibt es bei allen Varianten diejenigen, die besser wegkommen - und die, die mehr belastet werden könnten als durch die bestehende Trasse.

Sie verläuft durch Irlaching, an Krondorf vorbei Richtung Ettmannsdorf durch die Flutmulde und dann weiter Richtung Büchelkühn zum Umspannwerk am Bayernwerksgelände. Warum der Neubau? Das erläutert Projektleiter Andreas Herath vom Netzbetreiber Tennet. Die bestehende Leitung kann das erwartete Aufkommen an eingespeister (erneuerbarer) elektrischer Energie schlicht nicht aufnehmen. Eine Ertüchtigung der bestehenden Trasse mit zusätzlichen oder leistungsfähigeren Kabeln kommt nicht infrage: Die Masten würden sie nicht tragen.

Flutmulde zu schmal

Nun soll möglichst parallel zur bestehenden Trasse im Abstand von bis zu 65 Metern eine neue Leitung mit zwei 380-Kilovolt-Systemen entstehen. Der Parallelbau funktioniert auf weiten Strecken. Aber nicht in Ettmannsdorf. Egal, an welcher Seite die neue Leitung in der Flutmulde gebaut würde - sie wäre immer näher an der Wohnbebauung als bisher. Einen gesetzlichen Pflichtabstand von Hochspannungsleitungen zur Wohnbebauung gibt es in Bayern nicht. Die Grenzen setzt der Lärm. Auch wenn die neue Leitung dank ihrer Beschaffenheit weniger knistert als die alte - die Grenzwerte wären in Ettmannsdorf nicht einzuhalten.

Da lässt natürlich die Frage nach der Erdverkabelung nicht lange auf sich warten. Dafür, so Herath, gibt es keine gesetzliche Grundlage - außer in Pilotprojekten ist die Erdverlegung in Deutschland bislang nicht zulässig. Hier wäre der Gesetzgeber in der Pflicht, erläutert Herath. Wer auf Erdkabel gesetzt hatte, muss diese Hoffnung aktuell also begraben.

"Wir wollen nicht über Ihre Köpfe hinweg, sondern mit Ihnen planen," sagt Herath, "weil Sie Ihre Stadt am besten kennen." Zusammen mit dem (bundesfinanzierten) Kulturwissenschaftlichen Institut wurde deshalb diese neue Art der Bürgerbeteiligung entwickelt. Schon allein aus den geographischen Gegebenheit heraus führen die bislang vorgeschlagenen Varianten alle im Westen an der Stadt vorbei, über den Egidienberg. Aber auch hier gibt es Stolpersteine: Neben den landwirtschaftlichen Flächen, auf denen die Masten stehen würden, beispielsweise den Egidienhof mit der touristischer Nutzung. Oder Waldgebiete, in die Schneisen zu schlagen wären. Und neben vielen gesetzlichen Vorgaben etwa des Naturschutzes spielen natürlich auch Kostenerwägungen eine Rolle.

Heute geht's weiter

Die Bürgerbeteiligung wird heute fortgesetzt. Ab 9.30 Uhr bis 17 Uhr sollen konkrete Vorschläge entwickelt werden, die Tennet dann weiter überprüfen wird. Wer mitreden will, sollte die Chance nutzen.
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