Hohe Ehre für bescheidene Frau

Hohe Auszeichnung für Schwester Theodolinde Mehltretter: Die Ordensfrau, die aus dem Landkreis stammt, bekommt am Montag in München die Verfassungsmedaille in Gold. Archivbild: Unger
Lokales
Schwandorf
28.11.2014
3
0

Sie ist noch immer die bekannteste Ordensfrau Deutschlands. Am Montag wird Schwester Theodolinde Mehltretter (68), die aus dem Landkreis stammt, in München die Verfassungsmedaille in Gold erhalten. "Einer solchen Ehrung", hat sie sehr bescheiden gesagt, "bin ich nicht würdig."

Wer die Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz an ihrem Schreibtisch im Münchner Mutterhaus erreichen will, muss sich in Geduld üben. Die in Weiden gebürtige und aus einem Weiler nahe Neukirchen-Balbini stammende Ordensfrau hat meist erst am späteren Abend Zeit für ein Gespräch. "Nach 20 Uhr bitte, dann wird es gehen."

Theodolinde Mehltretter hat das Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Verdienstorden. Nun kommt die Verfassungsmedaille in Gold hinzu. Freut sie sich? "Natürlich". Aber: "Einer solchen Ehrung bin ich nicht würdig." Gleichwohl wird die 68-Jährige zur Aushändigung der Medaille gehen und "sie für meine Mitschwestern entgegennehmen."

270 Mitschwestern

Bei diesen 270 Mitschwestern mit einem Altersdurchschnitt von 80 Lebensjahren gibt es große Zufriedenheit über die ihrer Generaloberin zuerkannte Auszeichnung. Auch bei den 1400 Männern und Frauen, die in den zum Orden gehörenden Firmen, Kliniken und Heimen arbeiten, herrscht Freude. Theodolinde Mehltretter war lange Jahre Geschäftsführerin des zum Orden zählenden Getränkeunternehmens "Adelholzener" in Oberbayern, sie sorgte nach ihrer Wahl zur Generaloberin dafür, dass in München-Laim ein neues Mutterhaus entstand, entwickelte in allen ihr unterstehenden Einrichtungen bei den Mitarbeitern ein entspanntes Betriebklima.

Immer schon war die Sorge um Zuwachs im Orden der Barmherzigen Schwestern groß. Sie hat sich verstärkt. Die Generaloberin bekennt: "Es sieht nicht gut aus." Doch ihr Glaube daran, dass sich doch noch etwas ändern wird, ist unerschütterlich. "Gott", sagt sie, "wird das richten. Deswegen resigniere ich nicht."

Fast auf den Tag genau ein Jahrzehnt lang ist Schwester Theodolinde Mehltretter nun Generaloberin. Noch bis 2016 wird sie es sein. Dann, nach zwei Wahlperioden, hat sie abzutreten. So sehen es die Ordensregeln vor. Und danach? "Dann", lässt sie wissen, "bin ich siebzig und gehe dort hin, wo mich die neue Generaloberin einsetzt." Wo das sein wird, ist völlig unklar. "Aber ich werde arbeiten, so lange das meine Kraft erlaubt."

Ihre Heimat hat sie nie verleugnet. "Die Oberpfalz gehört zu mir, da komme ich her." Nahe Verwandte in Neukirchen-Balbini freuen sich immer auf ihren Besuch. "Doch heuer habe ich es nur einmal geschafft." Eine von Termin zu Termin hetzende Managerin, die - wenn man so will - neben dem Orden einen Konzern zu leiten hat. Wie schafft sie das? "Das geht", sagt Theodolinde Mehltretter und fügt hinzu: "Ich schöpfe ja meine Kraft aus dem Glauben."
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.