Idee mit Konfliktpotenzial

So sieht Klärschlamm nach der Trocknung aus. Das Granulat riecht nach wie vor und soll als Brennstoff für das Zementwerk in Burglengenfeld dienen. Die Probe lag bei der Pressekonferenz bereit und stammt aus einer Trocknungsanlage in Ingolstadt. Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
05.08.2015
7
0
 
Die Bürgermeister Martin Birner (Neunburg, von rechts), Georg Butz (Wernberg-Köblitz), Alois Böhm (Schwarzach) und Richard Tischler (Pfreimd) erläuterten, wie es mit der Gründung des Klärschlamm-Zweckverbands weiter laufen soll. Bild: Götz

30 von 33 Kommunen aus dem Landkreis wollen sich am Zweckverband zur Klärschlammentsorgung beteiligen. Die Initiative des Gemeindetags scheint geglückt. Sie birgt aber trotzdem Konfliktpotenzial.

Die Zeiten, in denen Klärschlamm großflächig in der Landwirtschaft als Dünger zum Einsatz kam, neigen sich dem Ende. Das liegt einerseits an der neuen Düngemittelverordnung, andererseits daran, dass sich große Lebensmittelfirmen von den Landwirten zusichern lassen, dass sie keinen Klärschlamm verwenden. Wohin also damit?

Schon 2011 setzte sich der Kreisverband des bayerischen Gemeindetags mit dem Thema auseinander, noch aus einem anderen Grund: Die Trocknung des Schlamms, der eher als Brühe aus den Anlagen kommt, wurde und wird von Dienstleistern erledigt und ist für die kleineren Kläranlagen teuer. Warum also nicht miteinander eine mobile Trockenanlage kaufen? Der damalige Landrat Volker Liedtke und das Regionalmanagement hätten das Thema aufgenommen, erläuterten Kreisverbands-Vorsitzender Bürgermeister Martin Birner (Neunburg vorm Wald) und sein Stellvertreter Bürgermeister Georg Butz (Wernberg-Köblitz) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in den Räumen des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS).

Große wollen dabei sein

Die Idee entwickelte über die Jahre hin eine Dynamik, die nun bei manchem Schwandorfer Stadtrat für Stirnfalten sorgt. Der Gemeindetag prüfte zunächst, ob eine Biogasanlage als Wärmespender für eine zentrale Trocknungsanlage infrage komme, klopfte andere Möglichkeiten ab. Und landete schließlich - wenig überraschend - beim wohl größten Wärmeproduzenten im Landkreis, dem ZMS mit seinem Müllkraftwerk.

Ein erstes Gutachten hatte noch dazu gedient zu eruieren, ob eine Trocknung auch ohne die Schlammmengen aus der Schwandorf-Wackersdorfer Anlage rentabel darstellbar wäre. Diese Frage hat sich mittlerweile wohl erledigt. Alles sieht danach aus, dass auch die Schwandorfer Verbandskläranlage ihren Schlamm über den neuen Zweckverband entsorgen will. Größenordnungsmäßig war zunächst immer von etwa 10 000 bis 13 000 Tonnen aus dem Landkreis die Rede. Nach der Trocknung soll das übrigbleibende Material im Zementwerk Burglengenfeld verbrannt werden.

Die sichere und kostengünstige Entsorgung des Schlamms brennt aber nicht nur den Kommunen im Landkreis auf den Nägeln. So gibt es mittlerweile einen Beitrittsbeschluss der Großstadt Regensburg, Landshut will dabei sein, Bayreuth und Weiden auch. Die Liste scheint nach unten offen. Genau deshalb regt sich in der Kreisstadt Widerstand. Mehr Kapazität bedeutet mehr Verkehr, denn der Schlamm soll mit Lkw angeliefert werden. Momentan ist von bis zu 45 000 Tonnen die Rede.

Alois Böhm, Bürgermeister von Schwarzach und mit den juristischen Fragen des zu gründenden Zweckverbands zur Thermischen Klärschlammentsorgung Schwandorf (ZTKS) betraut, verwies darauf, dass über den Beitritt weiterer Kommunen die Verbandsversammlung des neuen ZTKS mit Zweidrittelmehrheit zu entscheiden haben werde. Dort gilt: Jedes Mitglied hat eine Stimme. Zumindest unmittelbar nach der Gründung dürften so die Gemeinden und Abwasserzweckverbände aus dem Landkreis die eindeutige Mehrheit stellen.

Beschlüsse bis 15. August

Die beitrittswilligen Kommunen und Verbände sind gehalten, bis zum 15. August ihre Beitrittsbeschlüsse zu fassen. Wer es bis dahin nicht schafft, soll in einer zweiten "Beitrittswelle" dabei sein können, erläuterte Böhm. Ist der ZTKS gegründet, beginnen die Planungen für die Anlage auf dem ZMS-Gelände. Wie groß, ist momentan noch offen. Wenn alles glatt läuft, meint Böhm, könnte die Trocknung 2017 in Betrieb gehen.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.