"Igel-Mama" für die kalte Jahreszeit

"Peterchen" guckt freundlich in die Kamera. Ihm geht es in der Pflege gut, er wog 75 Gramm, als er zu Jutta Müller kam, und ist mit rund 400 Gramm schon recht propper beieinander.
Lokales
Schwandorf
13.11.2015
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Das Futter mischt Jutta Müller selber. Jeden Morgen gibt es frisches. Bilder: eld

"Kügelchen" ist das Sorgenkind von Jutta Müller. Es "mag nicht fressen und nimmt nicht zu". Mit Spezialwelpenmilch und auf einem Heizkissen will sie das Igel-Junge aufpäppeln. Dabei hat sie noch 39 weitere.

40 Igel bringt die 77-Jährige über diesen Winter. Und ist damit am Limit. "Ich kann keine mehr aufnehmen", sagt sie gleich zu Beginn unseres Treffens. Im Gartenhäuschen, das sich ihr Mann gebaut hat und an dessen Tür "Sanatorium. Bitte Ruhe!" steht, werden jeden Vormittag die Igel versorgt. Die Käfige der Igelstation, in den meisten wohnen zwei, werden gesäubert, frisch mit Zeitungen ausgelegt. Die Futterschüsselchen werden gefüllt: eine Müllersche Mischung aus Katzenfutter, Haferflocken, Kalk und Biotin für die Stacheln. Aber auch Hundeflocken und Igel-Trockenfutter stehen auf dem Speiseplan. "Da sind kleine Insekten und Rosinen drin", erläutert die Schwandorfer Pflegemutter.

Morgens geht ihr Harald Eberhardt vom Tierschutzverein Städtedreieck zur Hand. "Leute, die Igel im Garten oder auf der Straße aufsammeln, bringen sie hierher", sagt er während des Reinigen eines Käfigs. Nur die Kleinen und Schwachen finden eine Herberge bei Jutta Müller. Ein 600 bis 700 Gramm schwerer Igel verkriecht sich, hält Winterschlaf und wird im Frühjahr wieder munter. "Das ist von der Natur so gemacht, weil sie nichts finden. "Die Igel, die im August geboren werden, werden sechs Wochen gesäugt und gehen dann ihrer Wege. Das sind die, die dann bei mir landen." Sie sind zu klein, um den Winter zu überstehen. Heuer sind es wegen der Hitze und Trockenheit besonders viele, die bei Jutta Müller Unterschlupf finden.


Jutta Müller markiert sie mit einem Neonstift an den Stacheln, gibt allen Namen - Maxl, Zappelchen, Little, Baby - und schreibt auf, wann sie zu ihr kommen, wieviel sie wiegen. "Ich päppel sie auf. Zieh sie mit der Spritze groß". Eine Spritze bekommt an den diesem Vormittag auch "Peterchen" - zum Entwurmen. "Peterchen" kam am 16. September mit 75 Gramm zu Jutta Müller. Ende Oktober wog er schon 400 Gramm und schaut sich neugierig um. In einem Igel-Häuschen, einem Pappkarton, der mit Papierschnipsel gefüllt ist, hustet ein Igel.

"Der muss zum Tierarzt", bemerkt die 77-Jährige. Husten ist aber auch ein Zeichen von Nervosität oder Stress, denn scheu sind die nachtaktiven Tiere nach wie vor. Das Papier im "Igel-Schlafzimmer" raschelt, vorsichtig schiebt sich eine Nasenspitze aus dem Haufen, taxieren zwei braune Augen die Umgebung, ein Schatten oder ein ungewohntes Geräusch reicht und die Nase weicht wieder ins sichere Papierhaus zurück.

Jutta Müller hatte schon immer eine Schwäche für Igel, erzählt sie, als sie eine Futterschüssel füllt. "Als ich noch in Mittelfranken gewohnt habe, habe ich einen Igel, der im Wald in der Sonne gelegen hat, mitgenommen und versorgt." Durch eine Bekannte, die im Tierheim arbeitete, kam sie vor rund 15 Jahren wieder auf die Igel-Pflege zurück. Bis auf einige Spenden finanziert sie alles selbst. An Arbeit kommen zurzeit mindestens fünf Stunden für sie zusammen, denn mit der Pflege am Morgen im Sanatorium ist es nicht getan. Sie mischt das Futter, bereitet Papier vor oder fährt mit den Igeln zum Tierarzt. Abends schaut sie natürlich noch einmal nach ihren Kleinen. Eine dauerhafte Bleibe bietet die Schwandorferin den Tieren aber nicht. Sie werden nicht im wohligen Käfig durchgefüttert. "Manche Leute holen sie im Frühjahr wieder ab." Alle anderen Stacheltiere werden im Mai in die Freiheit entlassen. "Drei Wochen soll es frostfrei sein, damit sie etwas finden." Dann hat die Igel-Pflegemutter "Erziehungsurlaub" bis August.
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