Im Apfel ist der Wurm drin

Vor allem Äpfel leiden in diesem Jahr unter der starken Trockenheit der vergangenen Monate. Bild: mhö
Lokales
Schwandorf
31.08.2015
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Die Sonnen-Liebhaber kamen voll auf ihre Kosten, für viele andere brachte der Super-Sommer mehr Schaden als Nutzen. Die Landwirtschaft hat es besonders hart getroffen, vor allem auf den Maisfeldern war häufig "Not-Ernten" angesagt. Nun steht die Obsternte bevor - mit mäßigen Erwartungen und regionalen Unterschieden.

(mhö) Die bisherige Obsternte sei sehr gut verlaufen, meint Wolfgang Grosser vom Kreisgartenamt, denn Beerensorten wie der Johannis-, Stachel- und Himbeere kommen die vielen Sonnenstunden heuer zugute. Sie seien gut ausgereift und sehr süß, vor allem die Erdbeerernte liege deutlich über dem Durchschnitt. Die starke Trockenheit der vergangenen Monate macht laut Grosser vor allem den Früchten zu schaffen, die nun erst geerntet werden sollen. Dabei handelt es sich im Landkreis hauptsächlich um verschiedene Apfelsorten. "Sie sind allgemein kleiner, reifen eher und fallen früh ab", so der Fachberater. Genaue Zahlen seien nicht vorherzusehen, jedoch falle diese Ernte in jedem Fall deutlich geringer aus.

Eine Prognose für die gesamte Region ist aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen schwierig. Je nachdem bedingen die damit verbundenen Unterschiede bezüglich Temperatur, Regenmenge und die Beschaffenheit des Bodens das Wachstum der Früchte. So ist beispielsweise das Naabtal klimatisch eher begünstigt als die östlichen Bereiche - es entsteht laut Grosser ein richtiger "Fleckerlteppich".

Schädlinge ein Problem

Je nach Lage hat die Hitze demnach in Verbindung mit der langanhaltenden Trockenheit unterschiedlich starke Auswirkungen auf das Obst. Sie fördert besonders das Aufkommen von Schädlingen, vor allem bei Kirschen und Äpfeln. "Durch die Witterung gibt es heuer enorm viele Kirschfruchtfliegen und der Apfelwickler, die Obstmade im Apfel, bildet sogar eine weitere Generation", schildert der Experte vom Kreisgartenamt. Die ohnehin schon kleinere Erntemenge wird dadurch noch stärker verringert.

Vor allem die Obstliebhaber mit Busch- und Spindelbuschbäumen sind betroffen. Diese Bäume haben verhältnismäßig kleine Wurzeln und müssen in trockenen Zeiten dementsprechend stärker bewässert werden. Die Hausgärten leiden unter der Hitze deshalb mehr als die wesentlich robusteren Hochbäume und Streuobstwiesen. Trotzdem gab es bislang - neben den Beeren - schon Ernteerfolge zu verzeichnen. "Die frühen Apfelsorten wie der ,Klarapfel' oder ,James Grieve' sind bereits durch, da gibt es jetzt Apfelkuchen und Kompott", erzählt der Kreisgartenfachberater. Für diese frühreifen Sorten stellte der Sommer kein Problem dar, die Schäden zeigen sich erst bei dem Obst, das ab September geerntet wird.

Zusätzlich zum allgemein geringeren Ertrag sei in diesem Jahr mit zahlreichen Lagerschäden zu rechnen. Die langanhaltende Trockenheit rufe beim Apfel Kalziummangel und Probleme mit dem Zuckerstoffwechsel hervor. Die Folge sind Mangelerscheinungen wie "Stippe" und "Glasigkeit". Braune Flecken und wässrige Einlagerungen sind die Schäden, die bei der Ausreifung im Lager entstehen, die Früchte faulen schneller. Ein gesunder, robuster Apfel, wie beispielsweise der "Ontario", ist laut Grosser normalerweise von seiner Ernte im Herbst bis zum Mai des nächsten Jahres haltbar. Heuer wird eine so lange Lagerung nicht überall möglich sein.

Direkte Verarbeitung

Um Lagerschäden nicht von vornherein zu einem Problem werden zu lassen, ist die direkte Verarbeitung nützlich. So wirft beispielsweise Alois Dirrigl aus Schmidgaden ab September seine Obstpresse wieder an. Aufgrund der regional unterschiedlichen Gegebenheiten ist nach eigener Aussage wieder ausreichend Bedarf zum Mosten da. Vor allem im Oktober, der Hauptsaison für Sorten wie "Boskop" und den "Lederapfel", läuft die Anlage dann auf Hochtouren. "Die Menge ist natürlich kein Vergleich zu den Massen vom Vorjahr", schätzt Dirrigl ein, aber die mittlerweile gemäßigteren Temperaturen und der Regen ab Mitte August begünstigen das weitere Wachstum der späten Sorten wieder.
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