Im Klärschlamm ist "Musik drin"

Lokales
Schwandorf
01.10.2014
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Der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling ist neuer Vorsitzender des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS). In der Verbandsversammlung am Dienstag erhielt er 42 von 50 Stimmen. Sein erstes Kernthema ist aber nicht der Müll.

"Wir stehen wirtschaftlich gut da, der ZMS ist schuldenfrei, und wir bieten mit die günstigsten Verbrennungsgebühren in ganz Deutschland." Mit diesem Resumee verabschiedete sich Regensburgs ehemaliger Oberbürgermeister Hans Schaidinger nach 15 Jahren aus seinem Amt als Verbandsvorsitzender des ZMS. So gut das Feld auch bestellt ist - ein paar Aufgaben hat Schaidinger seinen Nachfolgern dann doch hinterlassen. Zum einen das steigende Müllaufkommen, das zuletzt nur durch die Umleitung in andere Kraftwerke gemeistert werden konnte. Der Verband werde sich nach Lösungen umsehen müssen, etwa durch weitere Verträge mit anderen Verbrennungsanlagen.

Neue Technik hakt noch

Zum anderen ist die neue Leitwarte nicht so schnell fertig, wie geplant. "Da hakt es," stellte Schaidinger in der Sitzung im Verwaltungsgebäude fest. Die Leittechnik ist anspruchsvoll: "Das hier ist ja keine kleine Klitsche, sondern ein Großkraftwerk", sagte Schaidinger. Zum Abschied gab's lobende Worte vom stellvertretenden Verbandsvorsitzenden, Landrat Klaus Peter Söllner (Kulmbach), an die Adresse Schaidingers.

Söllner schlug den Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling - und damit einen Neuling in der Verbandsversammlung - als Nachfolger vor. Ohne Gegenkandidat bekam Ebeling 42 Stimmen bei acht ungültigen Voten. Stellvertreter sind OB Joachim Wolbergs (Stadt Regensburg; 46 Stimmen), Landrat Klaus Peter Söllner (49 Stimmen) und OB Markus Pannermayr (Straubing, Vorsitzender des Zweckverbands Abfallwirtschaft Straubing; 50 Stimmen).

ZMS tritt bei

Ebeling will zunächst das Schwandorfer Klärschlammentsorgungskonzept voranbringen, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. "Da ist Musik drin", so Ebeling angesichts der kurzen Debatte, die sich dazu entspann. Ein Großteil der Kommunen im Landkreis Schwandorf will einen Zweckverband gründen, um Klärschlamm beim ZMS trocknen zu lassen. Der getrocknete Schlamm soll im Zementwerk Burglengenfeld verbrannt werden. Der ZMS wird die Trocknungsanlage betreiben und dem Klärschlamm-Zweckverband beitreten.

Mögliche Loyalitätsprobleme in seinem neuen Amt sieht Ebeling nicht. Der (alte) Schwandorfer Kreistag hatte zuletzt einen Vertrag mit dem ZMS abgelehnt, Teile des Kreistages pochen immer noch auf eine Müllmengenbegrenzung. Ebeling betrachtet dieses Thema aber angesichts der Mehrheiten als erledigt.

Mehr Müll als geplant

Der ZMS entsorgt den Haus-, Sperr- und Gewerbemüll von rund 1,85 Millionen Bürgern aus dem Gebiet von Hof bis Landshut, von Neumarkt bis Cham und Straubing; flächenmäßig ist das etwa ein Fünftel Bayerns. Bis Ende Juli wurden 274 146 Tonnen Müll angeliefert. Im Halbjahresbericht wurde deshalb die Prognose für das Gesamtjahr auf 466 000 Tonnen anfallenden Müll nach oben korrigiert. Ohne Umleitung wird es deshalb nicht funktionieren: Im Müllkraftwerk Schwandorf dürfen nur 450 000 Tonnen pro Jahr verbrannt werden. 20 000 Tonnen will der ZMS in andere Verbrennungsanlagen umleiten. Das ist kein größeres Problem, weil vor allem in Ostdeutschland Überkapazitäten in Kraftwerken bestehen.

Pro Tonne Haus- und Sperrmüll berechnet der ZMS seinen Mitgliedern 96 Euro als Vorauszahlung. Im Jahr 2013 war das zu viel: Wie ZMS-Kämmerer Alois Böhm vorrechnete, kam die Tonne in der Endabrechnung auf 91,28 Euro. An die 17 Mitgliedskörperschaften werden also insgesamt gut 1,38 Millionen Euro zurückerstattet. Wie sagte Hans Schaidinger zum Abschied: "Wenn bei Ihnen die Müllgebühren steigen - an uns liegt's nicht."
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