Immer mit "Plan B" leben

Beim Konzert von Hubert Treml und Franz Schuier war die Spitalkirche ausverkauft. Die beiden Musiker regten nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Schmunzeln an. Ganz nach dem Motto des Abends: "Niad doudernst". Bilder: rid(2)
Lokales
Schwandorf
11.10.2015
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"Niad doudernst". Hubert Treml und Franz Schuier wagten gemeinsam mit Pfarrer Dr. Christoph Seidl den Spagat und gewannen der letzten Phase des Lebens nicht nur nachdenkliche, sondern auch heitere Seiten ab.

Für die Zuhörer war es eine Meditation zum Welthospiztag. "Niemand will einsam leben. Warum sollten wir dann so sterben?" stand auf dem Plakat in der Spitalkirche, die beim heiter-besinnlichen Konzert des Schwandorfer Hospizverein am Samstagabend ausverkauft war. Vorsitzender Dr. Wolfgang Laaths kündigte für Mittwoch (14. Oktober) ab 19.30 Uhr eine weitere Veranstaltung in den Räumen des Hospizvereins in der Brauhausstraße 9 an. Nach einem Filmimpuls "So will ich (nicht mehr) leben" wird er die rechtliche Seite der Sterbehilfe beleuchten.

Nicht um Recht und Moral, sondern um Herz und Verstand ging es beim Konzert des Trios, das bereits beim "Brandner Kaspar" Leben und Tod thematisiert hatte und sich nun am Welthospiztag erneut mit Musik und Text an die Zuhörer wandte. Gekommen waren Hospizbegleiter, Menschen mit Verlusterfahrung und solche, die sich von den Gedanken einfach nur inspirieren lassen wollten.

Die "Drei" trafen mit ihrer "Auswahl bunter Lebensgeschichten" den richtigen Ton. Nicht nur vom Sterben, sondern auch und vor allem vom Leben war an diesem Abend die Rede. Gleichwohl: Dem Hospiz-Geistlichen Dr. Christoph Seidl verschlägt es nicht selten die Sprache, wenn er so manche Lebensgeschichte hört. Da genüge es nicht, darauf mit religiösen Ritualen zu reagieren und eine "Checkliste" abzuarbeiten. Mit einem "Augenzwinkern" und gütiger Zuwendung lasse sich die Verkrampfung eher lösen.

Oder mit einem heiteren Lied. Etwa von der "Clementine", die gerne ein Model geworden wäre. Aber mit ihrer Orangenhaut platzte der Traum. So wie beim Binner Michl, "genannt Mike, mit Cord-Jakettl und Haare Jesus like". Dagegen hat Elisabeth, der Elvis-Fan, beim Brandl Hans, dem Elvis-Double, das Glück gefunden. Apropos Glück: Pfarrer Christoph Seidl meint, der Mensch solle nicht das "ganz große Glück anstreben, sondern lieber das kleine genießen". Und Unglücke, die jedem Menschen widerfahren, "ausatmen", um neue Kraft einatmen zu können.

In der Rückschau erfährt der Geistliche häufig von "gescheiterten Lebensläufen". Zumindest würden es manche Sterbende so empfinden. Im Gespräch versuche er, den Kranken die Schuldgefühle zu nehmen und zu ermuntern, Ja zu sagen zu dem, "wie es gelaufen ist". Den Gesunden aber rät er, "immer einen Plan B" im Hinterkopf zu haben. Einer, der auch glücklich und zufrieden macht, wenn die großen Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Nach dem Motto: "Einfach das Beste machen aus seinem Leben".
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