Jugendliche tendieren zu anderen Berufen, so dass immer mehr Lehrstellen frei bleiben
Handwerklich eher wenig interessiert

Lokales
Schwandorf
16.09.2015
2
0
(mhö) Bäcker, Metzger, Maurer, Schreiner: All das sind Berufe, deren Produkte und Fertigkeiten jeder täglich in irgendeiner Weise in Anspruch nimmt. Doch immer weniger junge Leute interessieren und entscheiden sich für eine Ausbildung im handwerklichen Bereich - trotz zahlreicher positiver Aspekte.

Zum Start in das neue Ausbildungsjahr boten sich für Jugendliche im Handwerk noch sehr gute Ausbildungschancen in der Region. Ende August waren laut Lehrstellenbörse der Handwerkskammer in der Oberpfalz noch 846 Lehrstellen unbesetzt - 76 davon im Landkreis Schwandorf, gut 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

Betroffen sind davon alle Sparten; neben Lehrlingen für die klassischen Ausbildungen in der Lebensmittelbranche werden auch in anderen Bereichen Auszubildende, beispielsweise zum Schreiner oder Mechatroniker, gesucht.

Der Beruf mit den meisten offenen Stellen im Landkreis ist der Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk - was fast ein Viertel der unbesetzten Ausbildungsplätze ausmacht. Dahinter folgen Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Maler und Lackierer, Tischler sowie Klempner.

Studieren beliebter

"Die Dramatik dabei ist unterschiedlich, die Dringlichkeit, die freien Plätze zu besetzen, hängt immer auch von der Betriebsgröße und dem internen Ausbildungs-Rhythmus ab", erklärt Kreishandwerksmeister Christian Glaab. Die Gründe für die unbesetzten Stellen in den handwerklichen Berufen seien allerdings überall gleich. Der demografische Wandel wird verstärkt spürbar, im Zuge dieser Entwicklung beenden nun die geburtenschwachen Jahrgänge ihre Schulzeit, es gibt daher an sich weniger potenzielle Auszubildende. "Hinzu kommt, dass sich im vergangenen Jahr zum ersten Mal mehr Leute für einen Studienplatz als für eine Lehrstelle beworben haben", so der Bäcker aus Schwandorf; die Tendenz gehe weiter stark in diese Richtung. Seiner Meinung nach sei es jedoch sinnvoller, zuerst eine Lehre zu absolvieren und Erfahrungen zu sammeln, danach könne man auch zielgerichteter studieren. Außerdem gebe es genug Jugendliche, denen eine praxisorientierte Ausbildung an sich deutlich mehr liege als ein theoretisches Studium.

Umdenken erforderlich

Das große Problem des Handwerks sei momentan, dass es für junge Leute nicht attraktiv und interessant genug wirke. "Die Notwendigkeit dieser Berufe wird in der Gesellschaft mittlerweile zwar erkannt - was wir auch stark fördern - das Umdenken braucht allerdings Zeit", erläutert der Chef der Kreishandwerkerschaft. Eine solide Ausbildung gelte oft weniger als ein Studium, oftmals heiße es von elterlicher Seite, das eigene Kind solle trotzdem lieber studieren als direkt einen solchen Beruf zu erlernen, meint Glaab. Jedoch finden bereits Veränderungen zugunsten des Handwerks statt, Glück und Zufriedenheit spielen neben dem finanziellen Aspekt wieder eine größere Rolle. Zudem gebe es im auch im Handwerk zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen. Einen weiteren Pluspunkt sieht der Kreishandwerksmeister auch in der Tatsache, dass vor allem handwerkliche Ausbildungen in der Heimat möglich sind. Davon könnten alle profitieren.

Abgesehen davon sei das Handwerk eine "sichere Sache", auch in Krisenzeiten wird wenig ausgestellt, die Leute werden trotzdem gebraucht, so Glaab.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.