Kenner der Stadtgeschichte

Lokales
Schwandorf
04.01.2015
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Er wusste wie kaum ein anderer über die Historie seiner Heimatkommune Bescheid. Sie wurde in zahlreichen Abhandlungen von ihm dokumentiert. Sein großes Werk konnte er aber nicht mehr vollenden.

Der 5. Januar 1299 gilt in der Geschichte der Großen Kreisstadt als herausragender Tag: Mit dem "Rudolfinum" erhielt Schwandorf den Status der bürgerlichen Rechtsgemeinde, verbunden mit den entsprechende Privilegien. Der Historiker Hans Schneider (1926 - 2008) hat sich (nicht nur) diesem Thema gewidmet und 1999, zum 700. Jahrestag Jubiläum dieses bedeutenden Ereignisses, den Festvortrag gehalten, der den Teilnehmern noch in Erinnerung ist als spannender, aufschlussreicher Streifzug durch die Schwandorfer Geschichte.

Hans Schneider wurde am 25. November 1926 in Schwandorf geboren. Nach der Volksschule besuchte er von 1938 bis zur Einberufung zum Reicharbeitsdienst 1943 das Alte Gymnasium in Regensburg. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft arbeitet er zeitweise als Maurer. Nach dem Abitur am Erasmus-Gymnasium Amberg begann er 1947 ein Studium der Germanistik, Geschichte und Geografie in Regensburg und München. Von 1952 bis 1972 war er Lehrer am Erasmus-Gymnasium in Amberg, von 1972 bis 1989 leitete Hans Schneider des Gregor-Mendel-Gymnasiums in Amberg, wo er als Seminarrektor rund 200 Referendare in den Beruf begleitete.

Bereits in seiner Studienzeit beschäftigte er sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt und publizierte heimatgeschichtlichen Beiträge in der Tageszeitung. Bereits im ersten Jahrgang des "Heimaterzählers" war er mit einem Artikel vertreten. Im Jahre 1952 erarbeitete Hans Schneider zudem seine auf Quellenstudium beruhende Studie "Schwandorf und die Herrschaft Fronberg im 18. Jahrhundert", die leider unpubliziert blieb. Von der Kommission für bayerische Landesgeschichte erhielt er den ehrenvollen Auftrag für das monumentale Geschichtswerk "Historischer Atlas von Bayern" den Band Schwandorf-Burglengenfeld-Kallmünz zu erarbeiten. Nach seiner Pensionierung intensivierte Hans Schneider ab 1990 seine Arbeit am Historischen Atlas und strebte dessen Vollendung an. Leider verhinderte seine angegriffene Gesundheit die Vollendung dieses für die mittlere Oberpfalz so wichtigen Geschichtswerkes. Hans Schneiders Nachlass liegt inzwischen bei der Kommission für bayerische Landesgeschichte und dient als Grundlage für die künftige Fortsetzung und Vollendung seiner historischen Forschungen.

Stadtchronik mit erarbeitet

Als Mitte der 1990er Jahre neue Stadtchronik erarbeitet werden sollte (erschienen 2001), konnte er als kompetenter Mitarbeiter gewonnen werden. Er lieferte dazu nicht nur die auf Quellen basierende Geschichte Schwandorfs als wittelsbachischer Ämtersitz und des "Fischmeisteramtes Schwandorf", sondern auch die Geschichte der Herrschaft Fronberg. Weitere Themen aus seinem Heimatbereich bearbeitete er in fundierten Artikeln, etwa über das Eisenwerk Fronberg (Heimaterzähler 1949), der Geschichte des Pfleghofs in Schwandorf (Heimaterzähler 1953), dem Spital in Schwandorf ( Heimaterzähler 1954), dem Wastlhof in Krondorf (Heimaterzähler 1960) und über "Krondorfs Wirtstatt" ( Heimaterzähler 1969). ln Arbeiten, die weit über die Lokalgeschichte hinausgehen, beschäftigte sich Hans Schneider mit der "Überlieferung des Begriffes Nordgau" (Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 42, 1979), sowie mit der Geschichte des Klosters Pielenhofen (in: 750 Jahre Kloster Pielenhofen, München 1978).

Nicht mehr vollendet

ln der Festschrift zum Bayerischen Nordgautag (26, 1986) stellte er Burglengenfeld als Herrschaftsmittelpunkt der Wittelsbacher in der heutigen Oberpfalz vor und in einer Festschrift für Gustl Lang (Weiden 1989) schilderte er umfassend die Geschichte der Oberpfalz im frühen Wittelsbacher Landesstaat. Dabei gab er einen Überblick über die Herrschaft und Verwaltung bis zur Teilung des Vitztumamtes Burglengenfeld im Jahre 1329.

Mit Hans Schneider verlor Schwandorf mit seinem Tod im Jahr 2008 einen fundierten Kenner der Stadtgeschichte. Bedauerlich ist, dass es ihm nicht mehr vergönnt war, sein "opus magnum", den Atlasband des Schwandorfer Raumes, zu vollenden. Diese schmerzliche Lücke bleibt vorerst noch offen.
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