Klassische Musik fördern

Altoberbürgermeister Helmut Hey, Andrea Lamest, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses und Professor Kurt Seibert (von links) sind die Initiatoren des "Freundeskreises Schwandorfer Klavierfrühling". Bild: tie
Lokales
Schwandorf
03.02.2015
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Die Klassik im Frühling hat im kulturellen Leben der Großen Kreisstadt ihren festen Platz. Nun soll eine organisatorische Form dem Ansinnen noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Heuer stehen Schubert und Beethoven auf dem Programm.

Zwar waren nicht alle Stühle besetzt, aber es hatte sich doch eine akzeptable Anzahl von Interessierten im Oberpfälzer Künstlerhaus eingefunden, als die Gründung eines "Freundeskreises Schwandorfer Klavierfrühling" besprochen wurde. Altoberbürgermeister Helmut Hey hieß die Anwesenden willkommen. Die Schönheit von Musik, meinte Hey, verbinde die Menschen.

In diesem Sinne sei in Schwandorf die Beschäftigung mit klassischer Musik durch die Einrichtung des Klavierfrühlings gewachsen, und die Veranstaltungen hätten entscheidend dazu beigetragen, dass die Stadt immer mehr musikalisch eine angemessene Rolle spiele. Das sei auch ein Verdienst von Heiner Riepl, dem früheren Leiter, und Andrea Lamest, der jetzigen Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses I + II.

Der Umbruch

Dann ergriff Professor Kurt Seibert das Wort, und wies auf das Thema des diesjährigen Klavierfrühlings hin. Die "Wege zu Ludwig van Beethoven und Franz Schubert" sollen Umstände des Lebens beider Komponisten durch musikalische Beispiele näher beleuchten. Immerhin waren sie Zeitgenossen: Schubert starb 31-jährig im Jahr 1828, ein Jahr nach Beethoven. Und dennoch zählt man Beethoven zu den Klassikern, den 27 Jahre jüngeren Schubert zu den Romantikern.

In einem Vortrag zum Thema "Beethoven und die Ideen der Romantik" beleuchtete Seibert die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche zwischen 1800 und 1820, als die Auswirkungen der Französischen Revolution, die Herrschaft Napoleons und die beginnende Restaurationszeit Europa veränderten. Dabei sprach der Vortragende vor allem die Lebensumstände in Wien an, der Stadt, in der beide Komponisten lebten. Beethoven wurde - im Gegensatz zum bürgerlichen Schubert - noch von der adeligen Gesellschaft protegiert.

Jedoch kam es in der Folgezeit allmählich zu einer Ablösung der feudalen Strukturen, das Bürgertum erstarkte, und mit der Industrialisierung entwickelte sich der vierte Stand, das Proletariat. Da die Mitwirkung an der Politik den Bürgern wieder versagt wurde, wendeten sie sich verstärkt kulturellen Belangen zu. Musik mit ihren abstrakten Aussagen bot sich dabei als geeignete Denkheimat an, aber in einer Art, die sich von dem bisherigen Stil unterschied. Während Haydns und Mozarts Klaviersonaten zwar individuell aber eben in strenger Formalität abliefen, benannte Beethoven Stimmungen viel intensiver.

Die Fantasien

So in der Klaviersonate As-Dur op 110, die Professor Seibert nach der Pause in entsprechender Intensität darstellte. Da gibt es Benennungen im Finale, welche die Stimmung der Töne genau charakterisieren. "Klagender Gesang" heißt es da, später "ermattet klagend" und schließlich "nach und nach wieder auflebend". Diese Vorgaben hat der Interpret zu beachten.

Ferner gibt es von Beethoven nur die eine Fantasie für Klavier g-moll op 77, die Seibert später ebenfalls spielte, während Schubert vier Klavierfantasien, fünf Fantasien für Klavier zu vier Händen und eine Fantasie für Violine und Klavier geschrieben hat. Eine Fantasie ist eben freier angelegt als die strengere Sonatenform und passt deshalb besser zur Romantik. So lässt sich festhalten, dass Schubert schon voll in die neue Sichtweise integriert war, während Beethoven, wie Seibert meinte, diese Weiterentwicklung musikalischer Aussageformen erst allmählich auch für sich beanspruchte.
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