Kontobewegungen für Seniorin interessieren die Kripo
Betreuung mit chaotischen Zügen

Lokales
Schwandorf
07.10.2015
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Wenn jemand Andere mit staatlichem Auftrag betreut, dann muss diese Person vor allem eines sein: ehrlich. Akkurate Rechnungslegung ist dabei oberstes Gebot. Doch was eine 50-Jährige aus dem südlichen Landkreis tat, war eher chaotisch. Dennoch kam die Frau jetzt vor Gericht mit einem blauen Auge davon.

In Weiden ist eine von der Justiz eingesetzte Betreuerin unlängst zu einer längeren Haftstrafe verurteilt worden. Sie hatte übel abgezockt und in die eigene Tasche gewirtschaftet. Nun gab es einen ähnlichen Fall - wenngleich nicht in vergleichbar hoher Dimension - vor der Schwandorfer Richterin Pera Froschauer. Sie hatte eine Fachlehrerin aus dem südlichen Landkreis vor sich, die ihre zwischenzeitlich verstorbene Tante betreute.

Belege nicht klar

Die hoch betagte Seniorin befand sich in einem Altenheim und verfügte über ein Konto mit Barmitteln. Mit ihrer Betreuung beauftragt, hob die Nichte immer wieder einmal Geld ab. Manchmal 50 Euro, gelegentlich auch bis zu 1800 Euro. Die Frau hätte dafür exakte Belege haben müssen, wofür sie die Summen ausgab. Doch in einer Erklärung, die ihr Anwalt verlas, räumte sie "chaotisches Verhalten" ein. Das bedeutete im Klartext: Was nach dem Tod der alten Dame die Kripo interessierte, passte hinten und vorne nicht zusammen. Ein zur Fallbearbeitung eingesetzter Beamter war der Verzweiflung nahe.

Wenig von den Kontoabbuchungen und den vorhandenen Belegen passte zueinander. Mal ging es um Geldgeschenke zu Weihnachten und Geburtstagen für die Betreuerin und andere Personen, dann aber auch um gekaufte TV-Geräte für die 2013 gestorbene Seniorin. Ob die alte Frau das wirklich wollte, blieb unklar. Allerdings gab es andere Rechnungsbelege für durchaus notwendigen Kosmetikbedarf. "Chaotisch", wie der Ermittler wissen ließ und auf eine Frage der Richterin antwortete: "Ich glaube eher nicht, dass gezielt abgezockt worden ist."

Nichts zu beweisen

Im Vorfeld des jetzt ablaufenden Verfahrens hatte die Staatsanwaltschaft bereits ein Verfahren eingestellt, bei dem es um einen fünfstelligen Geldbetrag ging. Dabei lag das Augenmerk auf sogenannten Betreuungsstunden, die von der 50-Jährigen in Rechnung gestellt worden waren. Ob diese vielen Stunden jemals erbracht wurden, ließ sich nicht nachweisen. Von daher hatte die Ermittlungsbehörde darauf verzichtet, diesen separat abgehandelten Fall weiter zu verfolgen.

Was nun noch zur Debatte stand, waren Abhebungen in Höhe von rund 3000 Euro. Unter anderem auch für ein Parfum von Laura Biagiotti, das die im Altenheim untergebrachte Rentnerin angeblich erhielt. Aber auch da stellte sich die Frage: Bekam sie es? "Wir können sie leider nicht mehr fragen", bedauerte Richterin Froschauer.

Der Prozess wurde mit einer Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage beendet. Die Betreuerin muss 1500 Euro zahlen. Außerdem hat sie einer Tochter der Seniorin 2000 Euro zu überweisen. Diese Tochter konnte, weil selbst ein Pflegefall, nicht vor Gericht erscheinen. In einem Schriftstück, das der Vorsitzenden zugegangen war, äußerte sie allerdings den Verdacht, dass nach und nach rund 25 000 Euro vom Konto ihrer Mutter verschwanden. Doch auch das war mit Blick auf mögliche Betrugsabsicht ein nicht zu beweisender Verdacht.
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