Kurz und treffend

Friedrich Hirschl las aus seinem Lyrikband "Flussliebe". Veronika Miller-Wabra setzte an der Harfe musikalische Akzente. Bild: tie
Lokales
Schwandorf
18.10.2014
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Schmelzende Schneemänner, tanzender Rauch auf dem Dach: Friedrich Hirschl packt Alltägliches in pointierte Lyrik. Im Künstlerhaus sorgte er für manchen "Aha-Effekt".

"Gerne würde ich glauben, ich sei willkommen" im "fremden Haus". Das kann ein Schriftsteller getrost annehmen, im Oberpfälzer Künstlerhaus wird Friedrich Hirschl von Barbara Genzken- Schindler von der Volkshochschule und dem Publikum jedenfalls sehr herzlich begrüßt. Musikalisch hatte Veronika Miller-Wabra mit einem melodiereichen Harfenstück, dem "Maitanz" von Monika Stadler, den Abend eingeleitet. Friedrich Hirschl las in der Reihe "Schwandorf liest" aus seinem neuesten Lyrikband "Flussliebe".

Friedrich Hirschl stellt pointiert knapp, in überzeugender Vortragsweise seine tiefsinnigen Gedanken vor. Nicht nur das Gefühl beim Eintritt in "Das fremde Haus", auch andere eigentlich banale Situationen hat er auf den kürzest möglichen Punkt gebracht und ruft damit gedanklich den gewünschten "Aha-Effekt" hervor. Die nicht alltägliche Verknüpfung von Gedankensträngen zeigt sich beispielsweise, wenn im Gedicht "Dachsport" geäußert wird, "auf Kaminen turnende Rauchgestalten treibt der Wind zu Spitzenleistungen." Die Impression von tanzenden Turnern ist eindeutig. Fetziger Rauch kommt im Winter häufig vor.

Mit dieser Jahreszeit beginnt die Sammlung von 98 Gedichten, mit dem Herbst endet sie. Auch Ironie wird geboten, etwa wenn der Winterhimmel unter dem Titel "Schnee" mit einer "großen Leinwand" verglichen wird, die aber eben "keinen Film" bietet. Die "Märzsonne (I)" dagegen bringt ihrem Verehrer, dem "Schneemann", soviel warme Gefühle entgegen, dass er "dahingeschmolzen ist". Und wieder ertönt Musik: Bernard Andrès hat die abstrakten Töne von "Safran" verfasst, die nun virtuos auf der Harfe den Frühling einleiten.

Und noch einmal Musik und Ironie: Im "Wipfeltreffen" halten "Vogelgrößen in vornehmem Schwarz" eine Konferenz. "Auf Argumente wird verzichtet...allein die Lautstärke zählt." Weitere Gedichte beschäftigen sich mit dem Fluss, der "Dienstfrei" hat, wenn "kein Schiff in Sicht" ist. Die passende Musik fließt in den Wellen einer großangelegten Melodie von Monika Stadler vorbei.

Nach der Pause "können die heißen Sommertage kommen", im Gedicht "Gut vorgesorgt" und den anschließenden Versen "Kurzer Prozess", "Dunkle Brauen" und anderen, die jeweils kurz gefasst in ein gedankliches Zentrum trafen. Der Herbst endlich wurde charakterisiert in "Viele Fahnen" als Zeit der "Auswahl an bunten Gewändern", wobei man sich nicht für eines entscheiden kann. Der "Novembernebel (II)" beendete schließlich den lyrischen Reigen. Ein schöner Abend.
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