Kurzzeitige Blindheit und tagelange Kopfschmerzen: Polizisten beim Autofahren mit Laserpointer ...
Ein "Höllending" im Kugelschreiberformat

Lokales
Schwandorf
13.11.2014
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Für manche mag es ein scheinbar harmloses Spielzeug sein, für Richterin Petra Froschauer ist es schlicht ein "Höllending". Markus D. (Name geändert) gehört aber anscheinend zu jenen, die einen Laserpointer als tolle Sache empfinden. Seine Meinung dürfte er nun geändert haben: Der 15-Euro-Kauf aus Tschechien hätte den 28-Jährigen um ein Haar ins Gefängnis gebracht.

Ein Gutachter bescheinigte dem Laserpointer, in einem Radius von knapp über 60 Metern dauerhafte Schädigungen der Netzhaut und des Sehnervs hervorrufen zu können. Insofern waren die Angaben des 53 Jahre alten Polizeibeamten glaubhaft. Er hatte - nachdem er von dem Laserpointer geblendet worden war - über kurzzeitige Blindheit auf dem linken Auge, tagelange Kopfschmerzen und ein Fremdkörpergefühl im Auge geklagt. Genau das war der Grund, weshalb sich der 28-Jährige aus dem Landkreis Mosbach in Baden-Württemberg vor Gericht verantworten musste. "Vorsätzlicher gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr mit fahrlässiger Körperverletzung", wurde ihm zur Last gelegt.

Aus Neugier ausgepackt

Zusammen mit seiner Mutter hatte Markus D. am 6. Januar diesen Jahres die in Tschechien lebende Großmutter besucht. Auf dem Rückweg kaufte die Mama Tabak, der Sohnemann besagten gut kugelschreibergroßen Laserpointer. Auf der Staatsstraße zwischen Neunburg vorm Wald und Rötz packte den 28-Jährigen die Neugier: Er probierte seinen Kauf aus. Genau zu dieser Zeit kam ein Polizeiauto entgegen, es folgte die bereits erwähnte Blendung des Fahrers. Wenn der Ordnungshüter nicht so besonnen reagiert, sondern das Steuer verrissen hätte, "hätte das viel schlimmer ausgehen können", unterstrich Richterin Froschauer.

Während Markus D. beteuerte, das Gerät lediglich an die Decke des Autos gehalten zu haben, berichteten die Polizeibeamten von "tanzenden Lichtpunkten" auf ihrer Straßenseite, in die sie dann hineingefahren seien. Das Licht war nicht auf einen Strahl gebündelt, sondern mit Hilfe einer Kappe breit gestreut. "Ich wusste nicht, dass das solche Auswirkungen hat", sagte der 28-Jährige vor der Richterin, nachdem er sich bei dem Ordnungshüter für den Vorfall entschuldigt hatte.

Mit einem Fuß im Knast

Für Markus D. stand es Spitz auf Knopf, ob er den Gerichtssaal als freier Mann verlässt oder hinter Gitter muss. Denn strafrechtlich ist er kein unbeschriebenes Blatt mehr: Zehn Einträge im Bundeszentralregister und laufende Bewährungen hatte er als Straf-Rucksack zu tragen. Staatsanwalt Sebastian Eckl wollte dennoch Gnade vor Recht ergehen lassen: Sechs Monate Freiheitsstrafe - ausgesetzt zur Bewährung - hielt er für angemessen, um die Tat zu sühnen. Verteidiger Heinz Ettl hielt hingegen eine Geldstrafe von 30 bis 40 Tagessätzen für ausreichend. Seiner Meinung nach sei der Vorsatz seinem Mandanten nicht nachzuweisen: "Er war sich der Strafbarkeit nicht bewusst".

Das sah auch Richterin Froschauer so und verurteilte den 28-Jährigen zu vier Monaten Freiheitsstrafe - zur Bewährung ausgesetzt. Dabei legte sie eine fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung zugrunde. Wäre der Vorsatz nachweisbar gewesen, hätte für die Richterin - im Gegensatz zum Staatsanwalt - kein Weg mehr am Knast vorbeigeführt. "Sie sollten jetzt wirklich bei allem, was Sie tun, nachdenken", schrieb sie dem Angeklagten abschließend ins Stammbuch.
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