Landsleute portraitiert

Der Regensburger Fotograf Stefan Hanke stellt ab Sonntag im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf aus. Bild: Wolke
Lokales
Schwandorf
05.09.2015
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Als Lokalpatrioten kann man Stefan Hanke wohl nicht bezeichnen. Dafür sind die Arbeiten des Regensburger Fotografen zu subtil. Aber wenn Hanke einen heiligen Berg der Indianer ablichtet, dann stellt er dieser Stätte eine Ansicht des Regensburger Doms gegenüber.

Überhaupt ist die US-Serie "Go West" eher ein Ausreißer im Werk des Fotografen. In der Regel sucht Stefan Hanke seine Motive in der Nähe. Menschen, Gebäude, Stimmungsbilder: Fast alles stammt bei ihm aus der Oberpfalz. Die Heimat ist für ihn ein Fundus, aus dem er seit Jahrzehnten schöpft.

Auf 30 Jahre eingegrenzt ist der Zeitraum, den nun eine Ausstellung in Schwandorf beleuchtet. "Stefan Hanke - Fotografische Arbeiten" lautet der Titel der Schau, die am Sonntag, 6. September, im Oberpfälzer Künstlerhaus eröffnet wird.

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Der Ausstellungsort ist passend gewählt: Schwerpunkt der Präsentation ist die Serie "Standbilder, Portraits aus der Oberpfalz". In jahrelanger Arbeit hat Hanke hier seine Landsleute portraitiert. Bauern, Künstler, Dorfbewohner, Arbeiter aussterbender Industriezweige: Sie alle sind inmitten ihres Lebensumfeldes zum zweidimensionalen Monument erhoben. Standhaft, fest in den Oberpfälzer Boden verwurzelt. Meint man.

Einseitige Klischees zu vermitteln ist allerdings nicht das Ansinnen Stefan Hankes. Dass man sich in den Oberpfälzern durchaus täuschen kann, musste seinerzeit schon Franz Josef Strauß erkennen. Seine voreilige Annahme: "Wenn eine WAA, dann in der Oberpfalz" führte in den 1980er Jahren zu einer kämpferischen Formatierung der bis dahin unterschätzen Bevölkerungsgruppe.

"Damals haben die Oberpfälzer ihr Selbstbewusstsein entdeckt", sagt Hanke. Für ihn und seine Kamera war das genau der richtige Moment. Der Fotograf war bei den Protesten der Bevölkerung gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage hautnah dabei. Er lichtete die Kontrahenten ab und geriet selbst in die Schusslinie beider Seiten. Heute beleuchten diese "Standbilder" ein besonderes Kapitel der regionalen Geschichte.

"Ich denke in Schwarz-Weiß." Diese Aussage bezieht Stefan Hanke allein auf das Colorit seiner Bilder. Die Inhalte der Arbeiten sind tiefsinnig und ästhetisch - auch bei den weiteren Serien, die nun im Oberpfälzer Künstlerhaus zu sehen sind. Neben den "Standbildern" zeigt die Schau in der Kebbel-Villa Bilder der Projekte "KZ überlebt", "Golgotha" und nicht zuletzt "Go West".

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Farbenfrohe Schau

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Für das Oberpfälzer Künstlerhaus ist die Ausstellung der Auftakt ins zweite Halbjahr 2015. Auf das kommende Programm stimmte Leiterin Andrea Lamest bei der Präsentation der Hanke-Ausstellung ein. Neben einem musikalisch-literarisch-philosophischen Programm in bewährter Qualität sowie grafischen Kursen ist für heuer noch eine farbenfrohe Schau der gebürtigen Chamerin Annegret Hoch zu erwarten.
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