Langer Weg in die Breite Straße

Oberbürgermeister Andreas Feller (Mitte) und Sandra Loew (rechts daneben) in einer Runde der jungen Leute, die in der Wohngruppe "tuta mundo" Unterschlupf gefunden haben. Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
26.05.2015
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Sie flüchteten aus einem Land, das "das Nordkorea Afrikas" genannt wird, landeten ohne Angehörige im 8000 Kilometer entfernten Deutschland. Zehn junge Eritreer haben in der Kreisstadt bei "tuta mundo" ein neues Zuhause gefunden.

Ein große Terrasse zum Hinterhof, helle, einfach eingerichtete Zimmer: Mitten in der Stadt hat eine besondere "Wohngemeinschaft" an der Breite Straße Einzug gehalten. Neben den zehn Eritreern leben auch zwei Kosovaren in "tuta mundo". Die Einrichtung für jugendliche Flüchtlinge, die ohne Angehörige in Deutschland angekommen sind, wurde am Freitag offiziell eröffnet. Die jungen Leute leben schon seit Mitte Februar hier.

Träger der Wohngruppe sind die "Dr. Loew Soziale Einrichtungen". Geschäftsführerin Sandra Loew erinnerte daran, dass Jugendliche und Kinder besonderen Schutz genießen. Die "unbegleiteten Flüchtlinge" werden rein rechtlich genauso behandelt wie deutsche Kinder ohne Angehörige. Der Auftrag laute, den jungen Leuten ein "förderndes und forderndes, vertrauensvolles Umfeld zu bieten", sagte Loew. Nach traumatischen Erlebnisse auf der Flucht gelte es nun, den jungen Menschen ein selbstbestimmtes Leben in ihrer neuen Heimat zu ermöglichen. "Ihr habt einen langen Weg vor euch", sagte Loew zu den jungen Leuten.

Eine Ersatzfamilie

So unterschiedlich die kulturelle Herkunft der Flüchtlinge sei, so verschieden seien die Gründe für die Flucht. "Wir versuchen, den Jugendlichen eine Ersatzfamilie zu bieten," sagte die Leiterin der Einrichtung, Ramona Scheunemann. Acht Mitarbeiter teilen sich diese Aufgabe, die Wohngruppe wird rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche betreut.

Die jungen Leute waren nach ihrer Ankunft in Deutschland über den Winter in München untergebracht, Seit Mitte Februar leben sie in Schwandorf. Besonders hob Scheunemann heraus, dass die Jungen schon seit Anfang März die Schule besuchen können. Der Unterricht am Beruflichen Schulzentrum gebe einerseits Struktur, andererseits helfe er den Jugendlichen natürlich dabei, die Sprache zu lernen.

"Starke Partner"

Oberbürgermeister Andreas Feller hieß die "Neu-Mitbürger" willkommen. Die Stadt sehe sich in der Pflicht, an der Integration der Flüchtlinge mitzuarbeiten. Die Räume in inmitten der Stadt nannte der OB für diese Aufgabe ideal: "Es hat ja wenig Sinn, Flüchtlinge auf Einödhöfen unterzubringen." Landrat Thomas Ebeling verwies darauf, dass der Landkreis die Versorgung von unbegleiteten, jugendlichen Flüchtlingen nicht ohne "starke Partner" lösen könne. Dazu gehöre Dr. Loew.

Im Landkreis sind derzeit 33 Jugendliche untergebracht, die ohne Angehörige in Deutschland ankamen. Neben "tuta mundo" kümmert sich auch das "Haus des Guten Hirten" um die jungen Menschen.
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