Lehrlinge weiterhin gefragt

Lokales
Schwandorf
30.10.2015
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Beides ist in diesem Jahr gestiegen, die Zahl der Ausbildungsplätze und die der Lehrlinge. Das Verhältnis aber hat sich nicht geändert. Auf 4085 offene Lehrstellen im Arbeitsamtsbezirk Schwandorf entfielen 3007 Bewerber. Aber nicht alle von ihnen haben im September eine Berufsausbildung begonnen.

Der Bewerberpool, den vor Jahren vorwiegend Real- und Mittelschüler füllten, ist breiter geworden. "Immer mehr Abiturienten und Studienabbrecher kommen hinzu und interessieren sich für eine berufliche Ausbildung", sagte Agenturleiter Joachim Ossmann gestern zur Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Nur 75 Prozent der Anfragen mündeten in einen Ausbildungsvertrag. Der Rest geht weiter auf die Schule, beginnt eine Fördermaßnahme oder macht ein soziales Jahr.

Coach für Jugendliche

77 der 3007 Bewerber haben noch nichts gefunden und lassen sich sozialpädagogisch begleiten. Agenturleiter Joachim Ossmann bietet ihnen Betriebspraktikumsplätze an und hofft, den einen oder anderen "im fünften Quartal" vermitteln zu können. Denn: "Es darf keiner übrig bleiben". Die Hilfen, die die Agentur leistungsschwächeren Jugendlichen anbietet, sind vielfältig. Sie reichen von "ausbildungsbegleitenden Hilfen" über "berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen" bis zur "Rehabilitation für benachteiligte Jugendliche mit Behinderung". Ganz neu und in Zukunft vor allem für Flüchtlinge gedacht ist die "assistierte Ausbildung". Dabei bekommt der Jugendliche einen Coach zur Seite gestellt.

"450 Ausbildungslücken"

Ralf Kohl, Bereichsleiter "Berufsbildung" bei der Industrie- und Handelskammer, spricht im IHK-Bereich von "450 Ausbildungslücken". Die Betriebe seien aber derzeit noch in der Lage, die Stellen zu besetzen. Eine Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben ergab: Sie würden auf der Stelle 200 jugendliche Flüchtlinge aufnehmen. "Aktuell sind erst 15 in einer Ausbildung", so Ralf Kohl.

Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage klafft immer weiter auseinander. "Eine komfortable Situation für die Jugendlichen, nicht aber für die Unternehmen", meint Toni Hinterdobler. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz unterstreicht: "Der Mangel an Fachkräften darf nicht zur Wachstumsbremse werden".

In den Asylbewerbern sieht Hinterdobler zwar Potenzial, aber: "Wir müssen das hohe Ausbildungsniveau im Handwerk halten." Sprach- und Sozialkompetenz sei Voraussetzung für die berufliche Integration, so der HWK-Hauptgeschäftsführer.
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