Leinwand für Widerspenstige

Für die Schwandorfer Dokumentarfilmtage "Zwickl" werben (von links) Christine und Franz Mauerer ((Kinocenter Nittenau) , Michael Geyer (snapshot) , Alexander Heinz (Blumen Heinz) , Organisatorin Anne Madlene Schleicher, Johannes Lohrer (Tourismusbüro), Gerlinde Knobloch (Kulturamt), Oberbürgermeister Andreas Feller und Hans Werner Robold (Kulturamt). Bild: Götz
Lokales
Schwandorf
29.08.2015
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Das große, weiße "Z" auf schreiend rotem Grund steht für Filme der Extra-Klasse: Die "Zwickl"- Dokumentarfilmtage widmen sich ab dem 19. September dem Thema "Formen des Widerstands". Aber nicht nur.

"Das war heuer turbulent," erzählt Organisatorin Anne Madlene Schleicher über die Auswahl der Dokumentarfilme, die vom 19. bis zum 27. September in drei Kinos gezeigt werden. Das "Zwickl" geht nämlich auf Reisen, erläuterte sie bei einer Pressekonferenz am Freitag im Rathaus. In Christine und Franz Mauerer vom Kinocenter Nittenau und Andreas Wörz vom Ring-Theater in Amberg hat das "Zwickl"-Team begeisterte Partner gefunden.

Formen des Widerstands: "Da konnten und wollten wir am Thema WAA nicht vorbei. Das hat die Region ja auch geprägt", sagte Schleicher. Es sind aber nicht die bekannten Dokumentationen wie "Spaltprozesse" zu sehen, sondern Beiträge aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen ebenso wie unveröffentlichtes Material aus Privatbesitz. Daraus wurde ein zweistündiger "WAA-Block", der die unterschiedlichen Blickwinkel der Berichterstattung ausleuchten wird.

Im Bibel-Gürtel

Religiöse Debatten im amerikanischen "Bibel-Gürtel" nimmt sich "Mission Control Texas" zum Thema, der Oscar-gekrönte Film "Citizenfour" erzählt die spannende Geschichte, wie Edward Snowden Journalisten seine Beweise für die Massenüberwachung durch die NSA an Journalisten liefert. Elf Filme widmen sich dem Motto des Festivals. Das Zwickl wird so zur Leinwand für die Widerspenstigen. Eine Podiumsdiskussion schließt sich am Samstag, 26. September an die Vorführung von "Food Inc." an. Europaabgeordneter Prof.Dr. Klaus Buchner (ÖDP) und Filmemacher Helge Cremer werden darüber diskutieren, wie sich die Formen des Widerstands verändert haben. Liedermacher Hans Söllner kommt zum Abschluss des Festivals am 27. September ins Metropol, dort wird ein Mitschnitt seines Konzerts in Bad Reichenhall gezeigt.

In eine ganz andere Richtung zielt der Oscar-nominierte Wim Wenders' Streifen "Pina". Die 2009 verstorbene Ballettdirektorin Pina Bausch gilt als Erfinderin einer des Tanztheaters. Bausch galt als die bedeutendste Choreographin ihrer Zeit.

Mittlerweile schicken Regisseure und Verlage ihr Material ungefragt an sie - ein Zeichen dafür, dass sich das kleine, aber feine Festival in der Szene schon nach drei Auflagen einen tollen Ruf erarbeitet hat. Zurecht: Vergangenes Jahr wurden rund 1200 Gäste gezählt. Die Theater- und Filmwissenschaftlerin Schleicher verweist auf ihre Mannschaft, ungefähr 15 junge Leute, die im Hintergrund dafür sorgen, dass "Zwickl" funktioniert. Eine Hauptrolle spielt Alexander Heinz. Der Eigentümer des gleichnamigen Blumenladens räumt sein Geschäft an der Schwaigerstraße leer und verwandelt es zurück in das, was es einmal war: Das Metropol-Kino. "Ich bin ein Musik- und Kulturfan", sagt Heinz.

Kinobestuhlung gekauft

Die Liebe geht so weit, dass er eine komplette, gebrauchte Kinobestuhlung gekauft hat, die in diesem Jahr erstmals aufgebaut wird. "Wenn ich damit dazu beitragen kann, dass Schwandorf positive Schlagzeilen bekommt, mache ich das gerne," sagte Heinz. Übrigens: In den Tagen vor dem "Zwickl" gibt's im Blumenladen Rabatt. Oberbürgermeister Andreas Feller zeigte sich begeistert über das Engagement und freute sich darüber, dass das "Zwickl" diesmal auch über die Grenzen der Stadt hinaus wirkt.

In technischen Fragen steht dem "Zwickl" Michael Geyer mit seiner Firma "snapshot" zur Seite, ein Profi. Ohne die Unterstützung der Stadt und zahlreicher weiterer Sponsoren wäre das Festival aber nicht zu schultern. Schließlich gilt das Prinzip, das dem Festival seinen Namen gab: Der Eintritt kostet einen "Zwickl", also 2 Euro. Mit einer Ausnahme: Die 3-D-Vorführung von "Pina" in Nittenau wird 1 Euro Aufschlag kosten, für die notwendige Brille. (Seite 21)

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Das Programm im Internet:

http://www.2wickl.de/
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