Leittechnik im Raumschiff

Lokales
Schwandorf
31.01.2015
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Es ist eine "Operation am offenen Herzen", die derzeit am Müllkraftwerk läuft: Die Leittechnik wird während des laufenden Betriebs erneuert. Das geht nicht ohne Reibungsverluste ab. Aber die Leitwarte ist nicht die einzige Baustelle.

Die große Ofenlinie IV am Kraftwerk steht derzeit. Die übliche Revision. Die Dauer werde allerdings verlängert, erklärte der technische Leiter, Konrad Rieger, bei einem Pressegespräch. Während der Verlängerung wird die neue Leittechnik eingebaut, die die Ofenlinie dann steuern soll. Die alte Warte hat ausgedient, weil es für das System keine Ersatzteile mehr gibt. Für die neue Warte wurde ein Gebäude errichtet, die Steuerpulte sehen beinahe aus wie die Brücke eines Raumschiffes. Davon konnten sich die Gäste des "Zwickl"-Dokumentarfilmfestes überzeugen, als die Warte als Kino diente. Eine einmalige Gelegenheit, denn aus Sicherheitsgründen wird der Raum während des Betriebs nicht mehr zu besichtigen sein.

Neue Kompressoren

Der komplette Umbau klappe nicht ohne Probleme, machten Rieger und der Verbandsdirektor des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS), Thomas Knoll, deutlich. An der Einfahrt ins Kraftwerksgelände wird ein Container-Umladeplatz gebaut. Die Arbeiten sollen beginnen, sobald das Wetter es erlaubt. Außerdem bekommt das Kraftwerk eine komplett neue Kompressorenanlage. Sie kostet rund 2,8 Millionen Euro. Die Abwärme der Luftdruck-Erzeuger soll genutzt werden, um den Klärschlamm aus den Anlagen des Landkreises zu trocknen. Ein entsprechender Zweckverband wird gegründet.

Die Abwärme-Nutzung ist beim ZMS ebenso ein permanentes Thema wie die Aufbereitung der Schlacke. Rund 12 000 Tonnen Schrott werden jetzt schon jährlich aus den Verbrennungsresten gewonnen. Die ehemalige Betriebs-GmbH der Verbrennungsanlage Landshut wurde umfirmiert und soll sich als Schwandorfer Rohstoff- und Recycling Gesellschaft um die Gewinnung wertvoller Metalle kümmern. Dazu laufen wissenschaftliche Untersuchungen, über die sich ZMS-Vorsitzender Landrat Thomas Ebeling noch zurückhaltend äußert. Nur so viel: "Das ist eine ganz spannende Geschichte."

Gleiches gilt für die Forschungen zu Energiespeicher-Möglichkeiten, etwa durch die "Power-to-Gas"-Technik, die derzeit von "Schmack" erprobt wird. Die Zusammenarbeit mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) soll intensiviert werden. Dazu stehe in der nächsten Verbandsversammlung eine Entscheidung an, bestätigte Ebeling.

Internationale Gäste

Das Müllkraftwerk Schwandorf wird in diesem Jahr Gastgeber für eine Tagung eines internationalen Entsorger-Verbandes sein und steht dann in einer Reihe mit Metropolen wie Amsterdam, Barcelona und Paris. Aber auch die Nachbarn kommen nicht zu kurz: Die "Kraftwerkstour für alle" steht wieder im Plan.
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