Liebreizend und feurig

Das Orchester am Singrün begeisterte die Zuhörer in der Oberpfalzhalle. Contrabassist Andreas Riepl brillierte als Solist mit einem Stück von Nino Rota. Bild: tie
Lokales
Schwandorf
17.11.2014
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Sehnsucht und Kampf um die Liebe verband Tschaikowski in "Romeo und Julia". Das "Orchester am Singrün" empfing die Gäste in der Oberpfalzhalle mit diesem ewigen Drama. Andreas Riepl brillierte als Solist am Contrabass.

Das Regensburger "Orchester am Singrün" gastierte mit einem begeisternden Programm in der fast ausverkauften Oberpfalzhalle. Das "Orchester am Singrün" aus Regensburg, ein hochkarätiger Klangkörper, bei dem auch viele Laien mitwirken, wird von Lutz Landwehr von Pragenau geleitet. Das Konzert bildete den würdigen Abschluss der Konrad-Max-Kunz-Tage in diesem Jahr.

Triumph über den Tod

Eröffnet wurde die Reihe der Vortragsstücke mit der Fantasie - Ouvertüre "Romeo und Julia", in welcher Peter Iljitsch Tschaikowsky die Kraft der Liebe im Kampf gegen kolossale Hindernisse musikalisch darstellte. Die langsame Einleitung ist schon mit ahnungsvollen elegischen Tonfolgen durchsetzt, die das Orchester in steter Spannung aufbaute. Der schnelle Hauptteil lässt die Liebessehnsucht immer größer werden, verstärkt aber gleichzeitig die feindselige Stimmung der Familien aufeinander.

Musikalisch wurde demnach die Unruhe in den Tonfiguren immer heftiger, was den Streichern tadellose technische Finessen abverlangte. Die ausgeprägte Coda schließlich zeigt in Moll die Erfüllung der Liebe erst im Tod, wechselt dann aber nach Dur und stellt damit den Triumph der Liebe über den Tod dar. Schon Shakespeare war die Darstellung von Liebe inmitten äußerer Hindernisse unnachahmlich gelungen. Tschaikowskys sehnsuchtsvolle Musik macht die Aussage abstrakt glaubhaft. Und so wie Lutz Landwehr von Pragenau und sein Orchester das Werk gestalteten, nahm man ihnen die Kraft der Liebe, die geistig den Tod überwindet, ohne weiteres ab.

Von Nino Rota folgte das "Divertimento Concertante für Kontrabass und Orchester", ein viersätziges Werk, das dem Bassisten Andreas Riepl eine Menge Gelegenheiten bot, seine musikalische Kunstfertigkeit an diesem Instrument staunenswert vorzuführen. Nach dramatischem Beginn mündete die Musik in melodienreiche Passagen, die dem Solisten gesangliche Darbietungen auf seinem Instrument ermöglichten. Der tänzerische Habitus erweiterte sich, als etliche Blasinstrumente den Kontrabassisten zu weiteren Glanzleistungen verführten.

Also war es ein Konzert - Wettstreit im ursprünglichen Sinne zwischen Einzelspieler und Klangkörper. Ganz traditionell erklang nach der hochvirtuosen Kadenz des Basses noch einmal das Hauptthema des Satzes. Exakter marschmäßiger Rhythmus prägte den Folgesatz, wie ihm seine Überschrift vorschrieb. Und daran hielt sich das Orchester, während der Solist in freier Gestaltung das musikalische Geschehen umspielte.

Ganz anders die folgende "Aria", in welcher der Solist sein Instrument mit schönen Flageolett - Tönen verwöhnte. Schließlich das schnelle Finale, in dem der Solist sogar mit Arpeggien über alle vier Saiten glänzte. Auch ansonsten war Riepl die meiste Zeit über sein Instrument gebeugt und spielte in höchsten Lagen, sowohl mit viel Begleitung, wie auch in der riesigen Kadenz ganz allein. Insgesamt ein Werk, das zeigt, wie vielfältig das Können eines Bassisten ist, wenn er eine solch einfallsreiche Partie passend gestalten will.

Nach der Pause folgte die "7. Symphonie d - moll" op 70 von Antonin Dvorák, ein ebenfalls sehr facettenreiches Stück Musik, das am Beginn in Bratschen und Celli von einer Unruhe geprägt ist, die den gesamten ersten Satz in allen Stimmen durchzieht. Im langsamen Satz dagegen entwickeln sich reiche Melodien, bis sie in eine liebliche Ruhe münden.

Tanz als Zugabe

Das Thema des Scherzos schwebt tänzerisch dahin, jedoch nicht so schmissig, wie Dvorák in seinen slawischen Tänzen klingt. Im Finale schließlich erfolgt allmählich eine enorme Steigerung, bis das gesamte Orchester in voller Klangfülle den Schluss darbot.

Wieder einmal zeigte sich, dass ein Orchester mit Laien durch begeistertes Spiel sehr vieles von dem schafft, was Berufsmusiker leisten. Das Publikum jedenfalls war begeistert und erklatschte sich noch den "Slawischen Tanz g - moll" op 46/8 als Zugabe. Er wurde feurig interpretiert und entließ die Anwesenden erst recht im Bewusstsein, einen schönen musikalischen Abend erlebt zu haben.
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