"Lust auf Klassik" wecken

Professor Kurt Seibert erläuterte nicht nur die Planungen für den "Schwandorfer Klavierfrühling 2016", er gab auch gleich noch musikalische Kostproben am Flügel. Bild: tie
Lokales
Schwandorf
12.10.2015
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Der "Schwandorfer Klavierfrühling" will sich im kommenden Jahr besonders an junge Hörer wenden. Professor Kurt Seibert gab am Freitag im Künstlerhaus einen Vorgeschmack.

Der "Freundeskreis des Schwandorfer Klavierfrühlings" hat für die nächste Auflage einiges vor. Das erläuterten Vorsitzender Altoberbürgermeister Helmut Hey und künstlerischer Leiter Professor Kurt Seibert am Freitag im Oberpfälzer Künstlerhaus.

Die Planungen für den "10. Schwandorfer Klavierfrühling 2016" sind laut Kurt Seibert weit gediehen. Zum einen wird die einwöchige Veranstaltungsreihe - wie üblich mit Konzerten und Seminaren ausgestattet - im nächsten Jahr dem Werk Robert Schumanns gewidmet sein, dessen Todesjahr sich 2016 zum 160. Mal jährt. Einen neuen Aspekt setzt Seibert unter dem Motto "Lust auf Klassik" auf junge Hörer, die er gezielt ansprechen will. "Auch die Jugend muss zur Klassischen Musik angelockt werden", sagte Seibert.

Gesellschaftlicher Wert

Natürlich erscheint diese Musikrichtung nicht mehr "cool", im Zeitalter von Rock und Pop, aber wenn heutzutage ausgefeilte Bildungsbereiche vermittelt werden, müsse das Ansehen früherer Komponisten auch hochgehalten werden. Seibert erinnerte daran, dass die Komponisten entscheidende Bedeutung für das immer freier werdende Bürgertum im 19. Jahrhundert hatten. Die durch Töne vermittelten Stimmungen besäßen einen Dauerwert über die Entstehungszeit hinaus. Dies sei bei der "Romantik" besonders deutlich, der Begriff allein besage doch, dass der Hörer auf eine bestimmte, ihn innerlich berührende Situation eingestimmt werden soll. Deshalb gebe es im Zeitalter der Romantik mehr musikalische Titel über den Werken als früher. So sind die "43 Klavierstücke für die Jugend" op 68 und vor allem die "Kinderszenen" op 15 von Robert Schumann hervorragende Beispiele für romantische Stimmungsbilder. Kurt Seibert spielte 15 Stücke aus op 68 und alle Kinderszenen, wobei es ihm gelang, seine Thesen vom Miterleben einer Stimmung, wie sie vom Komponisten vorgestellt wird, an den einzelnen Nummern zu untermauern. Wie Seibert meinte, war die Lebenssituation für ein "Armes Waisenkind" (op 68/6) damals sehr beängstigend - und dementsprechend traurig klingt die Vertonung der Situation. Oder ein "Wilder Reiter" (op 68/8), der entsprechend forsch durch die schnellen Töne fetzt.

Bei den "Kinderszenen" op 15 gibt es "Glücks genug", also ein Thema in Sopranlage, immer beantwortet vom gleichen Thema im Bass. Es folgen eine "Wichtige Beg ebenheit", die berühmte "Träumerei" und das Verweilen "Am Camin".

Ganz modern könne man das deuten, als ein Gespräch von zwei Partnern, erläuterte Seibert. "Er" träume von seiner Überzeugungskraft (Sie denkt: "Träum du nur..."). Das vertraute Verweilen am Kamin bringe die Situation wieder ins Lot, was hier bedeute: Er gibt nach. Natürlich sei dies nur eine von vielen Deutungsmöglichkeiten.

Berührende Musik

Wenn aber ein Titel schon auf das Umfeld hinweist, dann sind die Meinungen in einem bestimmten Rahmen angesiedelt. Darüber hinaus zeigen besonders die "Kinderszenen" Schönheit in einfacher und gerade deswegen berührender Musik. Und so etwas, meinte Prof. Kurt Seibert, müsste junge Leute doch ansprechen. Man darf auf den nächsten "Schwandorfer Klavierfrühling" gespannt sein.
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