Mais kann Hunger nicht stillen

Die richtig verdorrten Maisfelder sind inzwischen abgeerntet, aber auch diesen Pflanzen fehlt Saft und Kraft und ein großer Kolben. Bild: Held
Lokales
Schwandorf
22.08.2015
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Das Futter wird schon gehäckselt. Pi mal Daumen vier Wochen zu früh, weil auf manchen Maisfeldern jetzt gerettet wird, was noch zu retten ist. Hungern müssen die Biogasanlagen aber nicht.

Der Energie- und Landwirt Peter Bäuml aus Lindenlohe (Stadt Schwandorf) beispielsweise ist gut versorgt. Er hat das Risiko auf drei Standbeine verteilt. In seine 190 Kilowatt-Anlage kommt Gras, Ganzpflanzensilage aus Getreide (GPS), Gülle und Mais. Rund 5000 Tonnen Futter braucht die Anlage im Jahr. Sie ist seinen Worten nach so kalkuliert, dass er sie von seinen Flächen ernähren könnte. Macht er aber nicht.

"Ich will nicht nur Mais anbauen", sagt er. Er kauft zu, von Bauern aus der Nähe zum Beispiel Gras. Außerdem habe er voriges Jahr Reserven gebildet. Nächste Woche wird er Mais häckseln, denn "der ist reif". Für "wirklich dramatisch" hält er die Situation in Betrieben, die rein auf Mais setzen. Ohne Kolben, die vielfach schlecht bis gar nicht ausgebildet seien, habe der Mais wenig Energiewert. Als Viehfutter sei er ebensowenig geeignet. Sorgen macht sich Peter Bäuml, um das Gras, das er für die Milchviehhaltung braucht. Der erste und der zweite Schnitt seien gut gewesen, der dritte fast nicht vorhanden, und der vierte falle wohl ganz aus, wenn es in den nächsten Wochen nicht beträchtlich regne.

Auch Helmut Ziegler ist heilfroh über den Substratmix für die Schmack-Biogasanlagen auf dem ehemaligen Bayernwerksgelände in Schwandorf-Dachelhofen. Ziegler ist Geschäftsführer der BRG, die als Dienstleister für den Anlagenbetreiber Eon Rohstoffeinkauf und Ernteorganisation managt. "Das ganze Naabtal von Schwarzenfeld bis Teublitz ist von der Missernte beim Mais betroffen." Wenig Regen und sandige Böden lassen die Erntemenge auf mindestens die Hälfte der üblichen schrumpfen. "Mancherorts stellt sich die Frage, ob er überhaupt erntewürdig ist."

2013 kalt erwischt

Aber 2013 (erst Hochwasser, dann Trockenheit) hat es die BRG und in der Folge Anlagenbetreiber Eon kalt erwischt. Als Konsequenz arbeiten sie wie Peter Bäuml mit einer Risikostreuung durch Substratmix. Der Jahresverbrauch liegt in Schwandorf-Dachelhofen bei 80 000 Tonnen Mais. Ziegler rechnet mit 40 000 bis 50 000 Tonnen. "Ich bestehe nicht auf der Lieferung, wenn die Landwirte das Zeug für ihre Tiere brauchen." Viehhaltende Betriebe mit Übermengen gibt es ebenfalls nicht. "Ich bin froh, dass wir den Vorrat aus dem Frühjahr haben, sonst wäre die Lage arg aussichtslos."

Und das, obwohl bereits von den Feldern Futter zur Anlage gebracht wird, wie der Vorsitzende der Liefergemeinschaft Bioenergie, Thomas Kopf, bestätigt. In Fronberg wurde bereits geerntet, auch bei Katzdorf und bei Fischbach. Es sei nicht überall so schlecht wie im Naabtal. "Wo es mehr geregnet hat, stehen die Pflanzen relativ vernünftig da." Über 100 Landwirte sind in dieser Liefergemeinschaft organisiert.

Die Mais-Unterschiede sind für den Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Johann Wilhelm, deutlich sichtbar. Die Landwirte "mit leichten Böden haben ein Riesenproblem". Östlich der Naab, Richtung Oberviechtach, seien die Ausfälle nicht so dramatisch wie im Süden. Probleme sieht er bei der Viehhaltung. Ein Ersatz für Mais seien Rübenschnitzel, aber "da sind die Kontrakte schon weg. In manchen Bereichen wird es schwierig, aber Jammern bringt uns nicht weiter. Voriges Jahr war die Ernte überdurchschnittlich und heuer ist der Mais zum Teil auf dem Feld vertrocknet. Wenn man mit der Natur arbeitet, ist es so", erklärt der erfahrene Landwirt.

"Das ist bares Geld"

Georg Diermeier aus Haselbach, bis Anfang des Jahres Vorsitzender der Liefergemeinschaft, ist froh, dass er heuer nur sechs Hektar Mais angebaut hat. Auf der Juraseite, schätzt er die Situation zwar leicht besser ein, allerdings: "Das ist bares Geld, das uns verloren geht. Es gibt jetzt keine Stellschraube mehr, an der wir drehen können." Und die Einspeise-Vergütung für Strom ist festgeschrieben.
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