Massenschlägerei am Steinberger See: Urteil nach vier Verhandlungstagen und drei Dutzend Zeugen ...
Geldstrafen nach heftigen Hieben auf der Party

Lokales
Schwandorf
11.05.2015
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Erst gab es eine Massenschlägerei am Steinberger See, danach einen der umfangreichsten Prozesse, die sich in den letzten Jahren vor dem Schwandorfer Amtsgericht abspielten. Er endete mit relativ milden Urteilen. Zwei wegen Körperverletzung angeklagte Männer aus dem Landkreis müssen Geldbußen in die Staatskasse zahlen.

Vier Verhandlungstage, drei Dutzend Zeugen und eine Ausgangslage, die für erhebliche Schwierigkeiten bei der Beweisaufnahme sorgte. Denn fast jeder der von Richterin Petra Froschauer gehörten jungen Leute hatte den Ablauf einer Freiluftparty und das, was sich daraus entwickelte, anders gesehen. Manche wollten vorsichtshalber auch garnichts beobachtet haben.

Fest stand: Ein Mann mit dem Spitznamen "King" hatte seinen Geburtstag am Steinberger See groß in Szene gesetzt: Zelt, Grill, Lagerfeuer, große Getränkevorräte, von weither angereiste Gäste. Die fröhliche Feier endete jäh, als plötzlich ein 27-Jähriger mit ausgeschlagenen Zähnen dastand und Freunde anrief, die gerade am Steinberger See angelten. Sie kamen zu Hilfe und "marschierten ein wie die Berserker", wie nun die Richterin im Urteil befand.

Der 34-jährige Anführer des zweiköpfigen Rollkommandos erschien mit einem Knüppel am Festplatz, teilte mit der Hand Schläge aus und wollte wissen: "Wer hat meinen Freund misshandelt?" Sein Begleiter (32), so befand jetzt die Richterin, sei eher passiv daneben gestanden.

Zeitweise in Lebensgefahr

Als sich plötzlich das Blatt wendete, wurden die Jäger zu Gejagten. Etliche junge Männer aus der Party-Runde formierten sich und griffen nun ihrerseits die zwei Eindringlinge an. Was dann passierte, war ausschlaggebend dafür, dass das Verfahren gegen den eher passiven Begleiter des 34-jährigen nach vier Prozesstagen gegen eine Geldauflage von 1800 Euro eingestellt wurde. Der Mann war von der ihn verfolgenden Horde so zusammengeschlagen und getreten worden, dass mehrere Knochen am Kopf brachen und er zeitweise in Lebensgefahr schwebte. Allerdings sahen nach der Auseinandersetzung auch zwei seiner Widersacher aus (so ein Zeuge), "als ob sie unter einen Lastwagen geraten wären."

Zurück auf der Anklagebank blieb der 34-Jährige. Der Mann mit der Statur eines Preisboxers, zuvor nie mit dem Gesetz kollidiert, sollte nach Auffassung von Staatsanwältin Daniela Spieß eine zwölfmonatige Bewährungsstrafe bekommen. Diesem Antrag widersetzte sich Verteidiger Wilhelm Wartha. "Das alles wird ihm eine Lehre sein", sagte er und hielt eine Geldstrafe für ausreichend. Die Richterin schloss sich dem Verteidiger an. Sie verhängte wegen mehrfacher Körperverletzung 170 Tagessätze zu je 25 Euro und schickte den Mann mit einer Geldstrafe in Höhe von 4250 Euro heim. Auf ihn dürften nun auch hohe Verfahrenskosten zukommen. Ins Stammbuch schrieb sie ihm: "Sie haben durch Ihre Aktion Angst und Schrecken verbreitet."

Beim Auftauchen des 34-Jährigen waren zahlreiche Geburtstagsgäste entsetzt in den Wald geflüchtet und hatten sich dort im Schutz der angebrochenen Dunkelheit versteckt. Das Verfahren gegen weitere an der üblen Schlägerei beteiligte Männer ist momentan eingestellt. Es liegt nun an der Staatsanwaltschaft, ob es wieder aufgenommen wird. (Kommentar)
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