Maßkrugschläge nach Umzug beschäftigen Strafrichterin - Täter muss 4900 Euro zahlen
Faschingsfete mit blutigen Folgen

Lokales
Schwandorf
05.08.2015
2
0
Es wurde ausgelassen gefeiert: Faschingszug, danach Party im Dorfwirtshaus. Musik, Helau und Alkohol. Eine Stunde nach Mitternacht aber war dann Schluss mit lustig. Blut floss, Rettungswagen und Polizeifahrzeuge rückten an.

Der Gaudiwurm in dem Ort im nördlichen Landkreis hat Tradition. Er bahnte sich auch heuer einen Weg durch die Straßen und wurde von zahlreichen Faschingsfreunden stürmisch begrüßt. Nach dem mit Kapellen, Tollitäten, Garden, bunt dekorierten Wagen und Bonbonregen daherkommenden Zug gingen die karnevalistischen Feierlichkeiten in einem Lokal weiter. Nicht ohne Zwischenfälle, wie sich jetzt bei einer Verhandlung vor dem Schwandorfer Amtsgericht zeigte. Denn ein Security-Mann, damals zur Ordnungssicherung in dem Lokal eingeteilt, fragte die Richterin Petra Froschauer: "Um welches Ereignis hat es sich gehandelt? Wir hatten vier."

Promille mit im Spiel

Drei waren wohl eher harmlos. Der vierte Einsatz für die Wachmänner ging heftig vonstatten. Plötzlich lag ein Mann mit erheblichen Verletzungen am Boden, bedurfte auch dessen Begleiter ärztlicher Versorgung. Ein 27-Jähriger blutete am Hinterkopf, zeigte Anzeichen einer Gehirnerschütterung. Der andere wies Blessuren im Gesicht auf. Ihm waren auch mehrere Zähne ausgeschlagen worden. Der Verursacher stand gleich daneben. Er hatte, wohl wegen kleinerer Meinungsverschiedenheiten, einen Maßkrug zum Schlaginstrument umfunktioniert. Als Polizisten zu Alkotests schritten, ließ sich an den Geräten ablesen: Sowohl der 41-Jährige aus dem nördlichen Landkreis Schwandorf als auch die von ihm übel zugerichteten Männer hatten jeweils über zwei Promille.

Die Richterin vernahm zahlreiche Zeugen, sie besah sich auch die von Amts wegen gemachten Fotos der mit dem Krug traktierten Leute und hörte von einem der am fraglichen Abend anwesenden Wachleute, dass der Schläger in einem kurzen Gespräch zugab: "Ich hab's übertrieben." Egal, was dem Übergriff an Wortwechseln voraus ging.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld des Prozesses einen Strafbefehl gegen den 41-Jährigen erwirkt. Darin war wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung eine Geldahndung gegen den bis dahin nicht vorbestraften Mann ergangen. Dagegen legte Verteidiger Josef Simbeck im Auftrag seines Mandanten Einspruch ein. Eher zur Verwunderung der Richterin. "Für so etwas werden im Regelfall Freiheitsstrafen verhängt", ließ Petra Froschauer erkennen.

Strafe muss sein

Nach dreistündiger Verfahrensdauer stand fest: Der 41-Jährige muss zahlen. Allerdings, weil finanziell nicht auf Rosen gebettet, nicht so viel wie zunächst im Strafbefehl verhängt. 140 Tagessätze zu je 35 Euro verlangte Staatsanwältin Franziska Bücherl in ihrem Plädoyer. Diese 4900 Euro muss der Mann nun nach dem Urteil von Richterin Froschauer quasi in Raten "abstottern". Hinzu kommen, wie anzunehmen ist, die Behandlungskosten für beide Opfer.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.