Mehr Alkohol als eine Lösung

Lokales
Schwandorf
09.03.2015
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Wer seine Erwartungen niedrig hält, erlebt keine Enttäuschungen. Ein Prinzip, das sich Dieter Nuhr zu Herzen nimmt - und die Erwartungen seiner rund 1500 Gäste in der Oberpfalzhalle voll erfüllt.

Das Konzept ist reizvoll. Endlich mal nicht jammern über all das Unvollkommene, nicht empören über Skandälchen, die bei genauem Blick keine sind. Schließlich leben wir seit 70 Jahren in Frieden, während um uns herum die Kriege wüten. Alles in Butter also, oder alles "Nuhr ein Traum"?

So heißt das Programm des Komikers und Komödianten, mit dem er seit gut einem Jahr durch die Hallen der Republik zieht. Mit seiner sympathisch-ruhigen Erzählstimme zielt er messerscharf in all den kleinen und größeren Wahnsinn, der uns täglich umgibt. Auf einen Erlöser warten? Sinnlos. Wenn einer käme und er echt wäre, "käme er doch sofort in eine Anstalt". Den Rapper Bushido, der Nuhr in einem Song recht unflätig "disst", findet der Komiker trotzdem sympathisch: "Er sprengt sich wenigstens nicht in die Luft", wie Islamisten. Dafür hat Nuhr eine Lösung parat: mehr Alkohol. Nach dem Motto "Spreng' dich du schon mal in die Luft, ich hab noch was im Glas."

Islamisten, das katholische Bodenpersonal, Pegida ("Wenn ich mir die Gestalten ansehe, denke ich, in dem Abendland, das die retten wollen, ist die Sonne längst untergegangen") - in seinen weitschweifigen Erzählungen findet er immer wieder den Punkt, an dem die Pointe sitzt. Ob er sich nun über die Handlung eines Pornostreifens lustig macht ("unrealistisch") oder von seiner Bewerbung als Papst erzählt. Der Posten als Gott sei ja vergeben. Aber er sei zu Abstrichen bereit - "Das Wort ,Abstriche' sollten Sie beim Vatikan aber nicht erwähnen". Gut zwei Stunden ergründet Nuhr die deutsche Grundeinstellung der Welt gegenüber. Die sei irgendwo zwischen Pubertät und Demenz zu verorten. Dabei gehe es diesem Land so gut wie noch nie. "Statt Wehrpflicht könnte man die jungen Leute mal ein Jahr lang im Kongo leben lassen." Politisch korrekt? Natürlich nicht. Aus Prinzip. Das Publikum dankt's mit langem Applaus.
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