Menschen im WAA-Widerstand

Nach der Weihnachtsandacht am Franziskusmarterl ergriff Altlandrat Hans Schuierer das Wort. Bild: Mayer
Lokales
Schwandorf
28.12.2014
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30 Jahre Marterlgemeinde im Taxölderner Forst, 25 Jahre Baustopp bei der WAA Wackersdorf: Nach der Weihnachtsandacht beim Franziskusmarterl standen die Ereignisse beim weltlichen Teil der Feier nochmals im Fokus. Die Symbolfigur des damaligen Widerstands nahm auch Bezug zu heute.

Der Bayerische Rundfunk strahlte am Samstag in seinem Jahresrückblick noch einmal eine 30-minütige Sendung vom Juli diesen Jahres aus, bei dem es um die Wiederaufarbeitungsanlage und den Mann ging, der im achtjährigen Kampf gegen dieses Projekt die Hoffnungen zahlreicher Menschen an vorderster Front verkörperte: Altlandrat Hans Schuierer.

Die Kraft der Symbole

Viele Ereignisse zogen bei der Reportage am geistigen Auge des Hörers vorbei. Originaltöne von damals als Zeugnisse des Ausnahmezustands im Raum Wackersdorf und in der Oberpfalz brachten Details in Erinnerung. Beim Besuch des heutigen Innovationsparks und des Marterl-Areals schilderte Hans Schuierer der BR-Reporterin, was hier am damaligen Bauzaun und in der Region passierte. Dazu gehörte die Schilderung seines Wandels vom anfänglichen Befürworter der Anlage über den Skeptiker bis hin zum überzeugten Gegner.

Auch seine Ehefrau Lilo kam zu Wort. Sie stand fest an der Seite ihres Mannes. Mit ihrem Tod im November diesen Jahres traf den 83-jährigen Altlandrat ein schwerer Schicksalsschlag. Hans Schuierer, der seit dem 18. Lebensjahr Mitglied der SPD ist, wünscht sich, dass Symbole wie das Franziskusmarterl Bestand haben, besonders für künftige Generationen. Dies brachte er zum Ausdruck, als er nach der Weihnachtsandacht am Heiligen Abend das Wort ergriff.

Er dankte allen, die auch 25 Jahre nach dem Aus der WAA "ihre Standfestigkeit im Kampf gegen die Zerstörung der Natur und Heimat beweisen". Der Sprecher hob dabei auch die in der Marterlgemeinde wirkenden katholischen und evangelischen Pfarrer hervor. Besondere Anerkennung zollte er Wolfgang Nowak, der sich um die Marterlgemeinde kümmert. "Er hätte längst den Bayerischen Verdienstorden bekommen müssen."

"Eine Beleidigung"

"Die WAA ist Geschichte, aber ganz vorbei ist die Sache anscheinend nicht", nahm Schuierer Bezug auf ein großes 25-jähriges Fest, das kürzlich im BMW-Standort Wackersdorf über die Bühne ging. Dabei habe als einziger der Betriebsratsvorsitzende den WAA-Widerstand der Menschen als Voraussetzung für das "Wunder von Wackersdorf" herausgestellt.

Ministerin Emilia Müller sei hingegen anderer Auffassung. "Sie betonte besonders, dass nicht der Widerstand, sondern wirtschaftliche Gründe zum Ende des Wahnsinnsprojekts führten", so Schuierer. Er wies diese Darstellung energisch zurück: "Für uns ist das eine Verhöhnung, Beleidigung und Geschichtsfälschung." Die Ereignisse um die WAA und ihre Bewertung bewiesen, dass damals wie heute Wachsamkeit vonnöten sei.

Die Besucher der Andacht nahmen abschließend die 73 Seiten umfassende Dokumentation der SPD-Landtagsfraktion über 25 Jahre Baustopp der WAA Wackersdorf mit nach Hause.
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